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	<description>Geld und Güter – Überlegungen zu einer postrealen Ökonomie</description>
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		<title>Principia Oeconomica &#8211; Über logische und finanzielle Krisen</title>
		<link>http://holzfrei.com/2012/01/15/principia-oeconomica-uber-logische-und-finanzielle-krisen-2/</link>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 20:17:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>klames</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskussion]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Eine Gesellschaft [...] darf ihre höchsten Werte nicht zu hoch versichern, wie es die französische Aristokratie getan hatte, als sie sich um die Person des Königs sammelte. Damit begab sie sich der Möglichkeit, ihre eigenen Überzeugungen und Werte im eigenen Tun lebendig zu erhalten und zu erneuern. Es war aber auch ein Beispiel dafür, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />
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<p>&#8220;Eine Gesellschaft [...] darf ihre höchsten Werte nicht<br />
zu hoch versichern, wie es die französische Aristokratie<br />
getan hatte, als sie sich um die Person des Königs<br />
sammelte. Damit begab sie sich der Möglichkeit, ihre<br />
eigenen Überzeugungen und  Werte im eigenen Tun<br />
lebendig zu erhalten und zu erneuern. Es war aber auch<br />
ein Beispiel dafür, wie klein der Schritt vom Erhabenen<br />
zum Lächerlichen ist.&#8221;</p>
<p>                            (Henning Ritter im Nachwort zu &#8220;Meine<br />
                                Gedanken&#8221; von Montesquieu)</p>
<p>Bei der Durchsicht der unteren Beiträge fiel mir ein Abschnitt in einem frühen Beitrag von Joaoflux auf ["Raus aus dem Urwald (zurück ins Basislager)" vom 30. März 2011]: &#8220;Unter Arbeit versteht man gemeinhin eine Tätigkeiten, die von Nutzen ist und für die eine Bezahlung erfolgt. Der Nutzen kann dabei sehr unmittelbar sein (z.B. in der Landwirtschaft oder in der Krankenpflege) oder eher indirekt (z.B. im Administrativen Bereich oder in der Finanzwirtschaft). Im zweiten Fall liegt der Nutzen oft ausschließlich in der Akkumulation von Geld, d.h. der Nutzen ist eine reine Transaktion, die nur einen Sinn innerhalb des Systems der Geldwirtschaft hat.&#8221; Da hätte man frühzeitig einhaken müssen. Die Worte laufen auf eine (klare) Unterscheidung von sogenannter &#8220;Realwirtschaft&#8221; einerseits und „Geldwirtschaft“ andererseits hinaus. Diese Unterscheidung wurde erst später im Blog ausdrücklich zum Thema, aber wahrscheinlich bis heute nicht ausdrücklich genug. Das Sehen bzw. Voraussetzen einer (relativ) klaren Grenze zwischen beiden ist in meinen Augen eine Täuschung, und das könnte der theoretische Grund für die augenscheinliche Unvereinbarkeit zwischen meinen Beiträgen und denen von Joaoflux sein.</p>
<p>Es ist hundert Jahre her, dass Betrand Russell und Alfred North Whitehead ein logisch-mathematisches Werk verfassten, das sie &#8220;Principia Mathematica&#8221; nannten. Es erwuchs als Antwort auf ein Problem, dass Russel einige Jahre zuvor erkannt hatte. Dieses Problem ist als &#8220;Russelsche Antinomie&#8221; oder &#8220;Russelsches Paradox&#8221; in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen. Mit der Entdeckung dieser Paradoxie stürzte Russel nicht nur seinen Kollegen Gottlob Frege in eine tiefe Krise (weil der seine &#8220;Grundgesetze der Arithmetik&#8221; mit einem Schlag über den Haufen geworfen sah), sondern die gesamte Wissenschaft der Logik. Das Problem ist letztlich bis heute nicht geklärt. Um es an dieser Stelle trotzdem mit einem Wort abzukürzen: Es geht um Selbstbezüglichkeit. (Eines der simpelsten Beispiele für das Dilemma der Selbstbezüglichkeit, ist die Aussage: &#8220;Dieser Satz ist unwahr.&#8221; Ist er also unwahr, so ist er wahr. Ist er wahr, so ist er unwahr&#8230;) Um das Problem in den Griff zu bekommen, taten Russel und Whitehead nun etwas sehr brauchbares, aber nichts desto trotz zweifelhaftes: Sie entwickelten die sogenannte Typentheorie und gingen im folgenden von logischen Hierarchien aus. (Später trat etwa der Logiker George Spencer Brown auf den Plan, der ein Kalkül entwickelte, dass diese Hierarchien überflüssig machte.) Eine logische Hierarchie unterscheidet Aussagen, die sich auf eine Klasse (Menge) beziehen, von Aussagen, die sich auf die Elemente der Klasse beziehen. Entsprechend müssen z.B. (sprachliche) Aussagen über &#8220;Objekte&#8221; von (sprachlichen) Aussagen über die Sprache unterschieden werden. Die &#8220;Existenz&#8221; unterschiedlicher &#8220;logischer Typen&#8221; war behauptet und in die Welt gekommen, auch wenn diese nichts weiter waren als das Ergebnis einer Beobachtung der Welt, also einer mutwilligen Unterscheidung, eine Konstruktion des Geistes.    </p>
<p>In genau diesem Geiste sprechen heute die Ökonomen, die ersten Beobachter der Wirtschaft, von &#8220;Markttypen&#8221; und nehmen, ihrer Beobachtung entsprechend, eine Unterscheidung vor: Wo sich das Geld auf sich selbst bezieht, sprechen sie vom &#8220;Geldmarkt&#8221; bzw. &#8220;Finanzmarkt&#8221; oder &#8220;Vermögensmärkten&#8221; und unterscheiden diese Sphäre vom &#8220;Gütermarkt&#8221;. Die Unterscheidung wird auch von den Beobachtern der Beobachter gerne genommen. Sie ist zum Allgemeingut geworden. Und selbst wer meint, angesichts der sich auftuenden Probleme kritisch sein zu müssen, geht allzu gerne von dieser Unterscheidung aus. Sogleich wird dann das Problem von allem (und der einzige Ansatzpunkt für Veränderungen) im Finanzmarkt und seinen Abläufen gesehen. So spricht in diesem Blog Joaoflux von &#8220;Hyperökonomie&#8221;, &#8220;Turbokommunikation&#8221; oder [in einem Kommentar vom 17. Juli 2001] von &#8220;Hochgeschwindigkeitskommunikation&#8221; durch die &#8220;Reibungsverlust bei (spekulativen) Transaktionen gegen Null&#8221; gehen würden und letztlich &#8220;die Realwirtschaft an Bedeutung verliert und zu einer Nussschale auf dem Ozean riesiger Finanzbewegungen&#8221; werde. Ich behaupte dagegen, dass wer eine klare Unterscheidung von &#8220;Geldmarkt&#8221; und &#8220;Gütermarkt&#8221; mitgeht, gegenüber unserer gegenwärtigen Ökonomie überhaupt nicht mehr kritisch sein KANN, weil er die Probleme in ihrem Zusammenhang gar nicht erkennt:    </p>
<p>In unserem gegenwärtigen Wirtschaftssystem [vgl. dazu auch meinen Beitrag: "Redliche Antworten auf brave Fragen" vom 6. August 2011] ist Produktion immer auch Produktion von Geld. Und das ist wörtlich zu verstehen. Gemeint ist nicht, dass da jemand für Güter &#8211; für seine Produktion (oder Dienstleistung) &#8211; Geld bekommt, sondern gemeint ist, dass er dadurch, dass er für seine Arbeit Geld erhält, Geld entstehen lässt! Und das nicht, weil das Geld sich im Augenblick der Zahlung zauberhaft materialisiert oder kurz vorher schnell gedruckt wird, sondern weil es ohne einen Arbeitsvertrag gar nicht gezahlt würde, und es zu einem Arbeitsvertrag gar nicht gekommen wäre, wenn nicht für den Arbeitgeber Profit in Sicht wäre, der durch die Arbeit gewonnen wird. Dieser Profit ist die Akkumulation. Und er ist eine Notwendigkeit, wenn durch die Produktion die Tilgung von Schulden (auf Produktionsmittel bzw. Realkapital) samt Zinsen erwirtschaftet werden muss. Geld wurde aber genau deshalb emittiert, weil Schuldkontrakte Notenbanken den Beweis lieferten, dass da etwas in der Welt erwirtschaftet wird &#8211; weil es aufgrund von Schulden erwirtschaftet werden muss. Aus welcher Willkür heraus Geld auch immer sonst emittiert werden mag: der Zwang zum Wirtschaften, das heißt zur Tilgung einer Schuld samt Zinsen, erzwingt letztlich auch das emittieren von Geld.</p>
<p>Freilich hat Joaoflux im Eingangszitat auch nicht behauptet, dass innerhalb der Gütersphäre der Wirtschaft kein Geld akkumuliert werde. Aber er behauptet oder suggeriert immer wieder, dass es zu Akkumulation von Geld vor allen Dingen durch spekulative Finanztransaktionen komme. Ja er behauptet: daraus, &#8220;dass im Zeitalter globaler Hochgeschwindigkeitskommunikation, der Reibungsverlust bei (spekulativen) Transaktionen gegen Null&#8221; gehe, FOLGE, &#8220;dass das Volumen solcher Transaktionen sowie die Möglichkeit damit Geld zu verdienen extrem&#8221; wachse&#8230; &#8211; Abgesehen davon, dass sich die bislang größte Weltwirtschaftskrise 1929 ereignet hat, als von &#8220;Hochgeschwindigkeitskommunikation&#8221; noch nicht so sehr die Rede sein konnte (und als es auch noch keine Computer gab, die automatisch Spekulationsprozesse durchführen konnten), und abgesehen davon, dass es in der Natur der Sache liegt, dass die Überweisung von Geld stets schneller (&#8220;reibungsloser&#8221;) vonstatten geht, als z.B. ein Fahrzeug zu bauen oder Getreide anzubauen, zu sähen und zu ernten&#8230; &#8211; einmal ganz abgesehen davon stellt sich bei Joaoflux&#8217;s Behauptung die Frage, warum überhaupt noch jemand seine Zeit mit sozusagen redlicher Arbeit verbringt. Warum versucht nicht gleich jeder sein Geld mit Verleihen oder Verschieben von Geld zu verdienen? Man mag darauf antworten: Der Lohnarbeiter habe eben nicht genug &#8220;Startkapital&#8221;, um ins Finanzgeschäft einzusteigen. Aber warum verkauft nicht jeder Großunternehmer, statt zu investieren, all sein Zeug, um fortan am Finanzmarkt den großen Reibach zu machen? Weil die Möglichkeit, mit Finanztransaktionen Geld zu verdienen, keineswegs so extrem groß ist. Das immense Volumen auf den Finanzmärkten nämlich tut dabei gar nichts zur Sache. Man könnte nämlich das Problem auch beschreiben, indem man sagt: Der &#8220;Arbeitsmarkt&#8221; im Finanzsektor &#8211; also auf dem Finanzmarkt &#8211; ist lediglich extrem klein&#8230; Dass nun für ein paar wenige die Möglichkeit, hier Geld zu verdienen, extrem groß ist, kann als Kritik nichts mehr bedeuten: Innerhalb des Gesamtsystems Wirtschaft tun auch sie eine Arbeit, die sich aus eben diesem System ergibt. Dass, wenn man &#8220;Arbeit&#8221; allgemein besteuert, auch diese Arbeit angemessen besteuert werden müsse (Finanztransaktionssteuern etc.), erscheint denn für viele als der einfache oder erste oder einzige Ausweg. Schön. Aber könnte das also die Lösung des Problems sein? Versichert sich auf dem Finanzmarkt nicht nur die Geldwirtschaft ihrer selbst (indem sie sich auf sich selbst bezieht)? Ändert eine Besteuerung von Arbeit oder Finanztransaktionen etwas daran, dass sich das Wirtschaften mit Geld und Eigentum versichern kann &#8211; und will &#8211; bis zum Kollaps?</p>
<p>Wie kommt ein Mensch legal an gefühlsmäßig &#8220;ordentlich&#8221; Geld heran (- vom Erben und Glücksspiel einmal abgesehen). Letztlich auf dreierlei Art [vgl. dazu auch meinen Beitrag: "Redliche Antworten auf brave Fragen" vom 6. August 2011]: 1. Man &#8220;arbeitet&#8221; fleißig und viel, nachdem man jemanden gefunden hat, der einen dafür &#8220;ordentlich&#8221; bezahlt. 2. Man leiht sich Geld aus und produziert mit dessen Hilfe und der Hilfe von damit bezahlbaren Lohnarbeitern Güter (oder Dienstleistungen), für die man mehr Geld bekommt als zur Tilgung der Schuld (samt Zinsen) nötig ist. Oder 3. Man verleiht Geld für Zins (oder verschiebt das Geld) und profitiert von dem, was andere mit diesem Geld an Geld erwirtschaften konnten. &#8211; Das ist ein geschlossenes System und ein Kreislauf (innerhalb dessen alles &#8220;Arbeit&#8221; genannt werden kann). Und man kann da überall Stellen finden, wo man besteuert. Und natürlich kann man mit der Entscheidung darüber, an welchen Stellen man (wie hoch) besteuert, auch Einfluss darauf nehmen, wie sich Menschen behandelt fühlen von all den anderen, die mit im Kreis tanzen. Am Tanz um das goldene Kalb (Eigentum und Geld) ändert das aber nichts. Und die Frage ist dann immer noch, was man mit den Steuergeldern &#8211; wo auch immer sie herkommen &#8211; macht. Wer bekommt es &#8211; das Geld? Wem gibt man es in die Hand?</p>
<p>Das Problem an der Sache ist, dass es Unsinn ist, nach einem Schuldigen zu suchen. (Nur nebenbei: Betrogen wird überall, wo betrogen werden kann. Und überall kann betrogen werden. Faule Kredite oder betrügerische &#8220;Finanzprodukte&#8221; auf den Finanzmärkten sind also natürlich auch nicht der Kern des Problems. Das Problem ist, dass wir heute auch dann ein Problem hätten, wenn nirgendwo betrogen würde.) Genauso, wie man sagen kann, dass das Problem sei, dass am Finanzmarkt auf Teufel komm raus spekuliert werde, kann man auch sagen, dass das Problem darin bestehe, dass eben auch der Krankenpfleger für seine Arbeit noch Geld bekommt &#8211; ein Problem nicht deswegen, weil es ohnehin immer viel zu wenig ist, was er bekommt, wenn er seine Arbeit gut macht. Sondern weil auch er, wie jeder Erwerbstätige, durch sein Verdienst (von Geld) das Wirtschaftssystem in Betrieb hält, indem er sich Eigentum verschafft. Und weil das System immer weiter in Betrieb gehalten wird, je mehr Tätigkeiten durch Geld in einen scheinbaren (!) Austauschprozess hineingeraten, den wir unsere Wirtschaft nennen.</p>
<p>Und vor genau diesem Hintergrund ist die Befürwortung eines bedingungslosen Grundeinkommens zu verstehen (dessen Höhe freilich ein entscheidender demokratischer Verhandlungspunkt wäre und wohl stets bleiben würde, solange man mit diesem Instrument politisch operiert). Anders als Joaoflux meine Aussagen permanent zu werten versucht (&#8220;moralisch, psychologisch, esoterisch, romantisch, missionarisch&#8230;&#8221;), versuche ich seit Anfang an nichts anderes, als ein Bild des monetären Wirtschaftens frei von den gegenwärtigen monetären Vorurteilen zu entwerfen, und daraus das Grundeinkommen als für die Gesamtgesellschaft logisch abzuleiten. (Dass ich dabei in Konflikt gerate mit der Moral und Psyche der Menschen in einer Kultur, die die Entkopplung von &#8220;Arbeit&#8221; und Einkommen noch nicht bewusst vorgenommen hat, ist unvermeidbar. Das heißt aber nicht, dass ich selbst moralisch oder psychologisch argumentiere oder werte.) Anders als Joaoflux ganz offenbar vermutet, würde ich nicht einmal wagen zu behaupten, dass ein Grundeinkommen die Welt verbessert. Ich behaupten nur, dass durch ein Grundeinkommen an vielen Stellen überhaupt erst die Chance zu einer Verbesserung entstünde. Die beginnende Entkopplung von Arbeit und Einkommen ist an vielen Stellen die unbedingte Voraussetzung für Verbesserungen. Während in einer Ordnung, die hauptsächlich damit beschäftigt ist, sich ihrer selbst zu versichern und sich damit selbstorganisatorisch zu desorganisieren (und dafür Personal zu rekrutieren), nur sehr bedingt Raum und Zeit für Verbesserungen ist. Übrigens bin ich schon insofern nicht missionarisch zu Gange, als meine Beträge keineswegs als ein sozusagen politischer Kampf für ein Grundeinkommen zu missverstehen sind. Ich weiß vielmehr, dass es früher oder später kommen wird und betrachte meine Texte sozusagen als eine geistige Vorbereitung darauf.    </p>
<p>Falls das oben gezeichnete Bild der gegenwärtigen Ökonomie zutreffend ist, ist durchaus anzunehmen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen durchgreift auf das gesamte Konzept des Arbeitens und Wirtschaftens in unserer Kultur. Denn was sonst sollte dieser monetären Ökonomie also Einhalt gebieten, wenn nicht die beginnende Entkopplung von &#8220;Arbeit&#8221; und Einkommen? Es kann nur darum gehen, auch in der Öffentlichkeit, im großen Zusammenhang, eine Situation herzustellen, die Arbeit nicht lediglich als einen in jedem Augenblick durch Geld zu überwachenden und zu erzwingenden Austauschprozess versteht, während sie in Wahrheit heute also ein reiner Akkumulations- und Verschuldungsprozess ist, auf diesem Weg freilich auch schnellen technischen Fortschritt durch Rationalisierung hervorbringt, aber genauso auch Verarmung und Ungleichheit in hohem Maße. Auf privater Ebene würde zwischen Menschen gar nichts gehen, wenn Menschen dort auf eine solche Art und Weise vorgehen wollten. Gelänge auf gesamtgesellschaftlicher Ebene nicht ebenfalls etwas anderes, würde sich Wohlstand und technischer Fortschritt in Zukunft immer nur weiter in Konsum und steigenden Vermögen (und deren unendlichen Versicherungen) auszahlen. Mit kultureller Höherentwicklung hätte das nichts zu tun. Ein einmal erreichtes kulturelles Niveau und eine rechtlich gesicherte gesellschaftliche Ordnung laufen im Laufe der Zeit immer wieder leer, sie verselbständigen sich zu Unsinn, wenn nicht an das &#8211; und jedes &#8211; Individuum zurückgegeben wird, was das Kollektiv kulturell erreicht hat. Wenn nicht dem Einzelnen die maximal mögliche Freiheit zurückgegeben wird, wird Kultur barbarisch und ist dann wieder genauso gefährlich wie eine Wildnis ohne alle Gesetze. &#8211; Um dies zu verstehen, muss man etwa nur den guten bösen Marquis de Sade verstehen, wenn er sagt: &#8220;Die Leidenschaften meines Nächsten sind unendlich viel weniger zu fürchten als die Ungerechtigkeit des Gesetzes, denn die Leidenschaften dieses Nächsten werden von den meinigen in ihre Schranken verwiesen, aber nichts hemmt den ungerechten Lauf des Gesetzes oder gebietet ihm Einhalt!&#8221; [zitiert nach Gilles Deleuze: "Sacher-Masoch und der Masochismus"] </p>
<p>Krisen bedeuten Angst vor Freiheit &#8211; meiner Freiheit und die der andern. Man begegnet ihr mit Hierarchien. Oder auch mit Wachstum. Wachstum bedeutet, dass immer mehr über Schulden erwirtschaftet bzw. ge-wirtschaftet wird. Und Schulden binden die Menschen aneinander. [Darauf, dass Geld die Menschen bindet wies ganz richtig Joaoflux in seinem frühen Beitrag "Re: Geld ist nicht alles" hin.] Schulden bedrücken, aber sie machen keine Angst. Weniger zumindest als Freiheit. Und ohnehin, wenn man die Schulden abwälzt (z.B. auf den Staat). Freiheit macht Angst. Und dem zieht man selbst Schulden vor &#8211; und Hierarchien.</p>
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		<title>Öffentliche Faulheit und privater Aktivismus</title>
		<link>http://holzfrei.com/2011/09/27/offentliche-faulheit-und-privater-aktivismus/</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Sep 2011 08:19:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>klames</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ja, man kann ausgesprochen viel über die Mentalität eines Menschen erfahren, wenn man seine gefühlsmäßige Reaktion auf die Idee des &#8220;bedingungslosen Grundeinkommens&#8221; beobachtet. Und es ist sicher auch richtig, dass es die widerstrebenden Gefühle eines offenbar gesunden Menschenverstandes sind, die der Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens vor allem im Wege stehen.Deswegen ging es mir bislang in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<br />
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<p>Ja, man kann ausgesprochen viel über die Mentalität eines Menschen erfahren, wenn man seine gefühlsmäßige Reaktion auf die Idee des &#8220;bedingungslosen Grundeinkommens&#8221; beobachtet. Und es ist sicher auch richtig, dass es die widerstrebenden Gefühle eines offenbar gesunden Menschenverstandes sind, die der Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens vor allem im Wege stehen.<span id="more-173"></span>Deswegen ging es mir bislang in unserer Diskussion gerade darum, die Gefühlsebene zu umgehen und stattdessen die Logik der Idee offen zu legen (ökonomisch, geschichtlich, gesellschaftlich&#8230;). Liegt diese Logik offen da, kann man nämlich auch meinen, dass es nicht um Gefühle geht, sondern dass es den Menschen schlicht an verstandesmäßiger Einsicht fehlt diese Logik nachzuvollziehen, die dann jeden Menschen gegenüber der Idee mental entspannter machen könnte. Wenn freilich bereits in diesem Blog viele Reaktionen der anderen Diskussionsteilnehmer &#8211; die ja alle durchaus selbst ihre Einsicht in die Logik der Idee bekunden &#8211; gerade dahin gegangen sind, meiner Auseinandersetzung mit der Sache eine gewisse Irrationalität bzw. Moralität bzw. Praxisferne zu unterstellen, so zeigt auch dies wieder nur, dass das Thema so etwas wie einen gesellschaftlich Blinden Fleck zu haben scheint, den man entweder nicht sieht oder anderen nicht zeigen kann&#8230;</p>
<p>Die übliche Aufregung über das Grundeinkommen besteht ja offenbar einfach darin, dass einem die Vorstellung widerstrebt, einem Menschen werde ohne jede Verpflichtung zu einer Gegenleistung etwas gegeben &#8211; und dann auch noch das so begehrte &#8220;Gut Geld&#8221;! &#8211; Solange man annimmt, Geld sei ein Tauschmittel, ist diese Empörung ja auch ganz logisch. Aber Geld ist eben kein Tauschmittel (sondern nur ein &#8220;Anrecht auf Eigentum&#8221; und damit ein Knappheits- bzw. Verknappungsmedium). Das war es, was ich in meinen vergangenen Beiträgen klar zu machen versucht habe. Es kann auch gar nicht in vollem Umfang begriffen werden, was etwas so abstraktes wie Geld (und Eigentum) eigentlich ist, aber es wird nicht einmal annähernd begriffen, solange nicht der Unterschied begriffen wird zu dem, was es sicher nicht ist: nämlich ein &#8220;Gut&#8221; im Sinne eines begehrten, unmittelbar brauch- oder nutzbaren Produktes (&#8230;ein Nahrungsmittel, oder sonst etwas, das irgendwie das Leben versüßt, oder gar eine Hilfeleistung).</p>
<p>Wenn dieses Phänomen (nämlich dass Geld kein Produkt ist &#8211; also nicht etwas ist, das man planmäßig produzieren oder zerstören kann -, und dass es genauso wenig ein Tauschmittel ist) in seiner Abstraktheit also nicht verstanden werden kann, helfen &#8211; wie Zwischenschritte &#8211; nur Hinweise auf Indizien, mit denen uns die moderne Gesellschaft mittlerweile regelrecht überschüttet. Solche Hinweise werden von Grundeinkommensbefürwortern (siehe z. B. Götz W. Werner in seiner Veröffentlichung: &#8220;Einkommen für alle&#8221;) bereits hinreichend gegeben und näher erläutert. Sie zeigen, dass sich die ökonomischen Umstände der heutigen Gesellschaft im Vergleich zu früher grundsätzlich gewandelt haben, dass etwa ÜBERFLUSS ins Spiel kommt (und zum Problem wird) statt stets nur von neuem eine alles beherrschende allgemeine KNAPPHEIT, und dass wir durch Lohn- bzw. Erwerbsarbeit auch die SELBSTVERSORGUNG hinter uns gelassen haben und stattdessen in ein Zeitalter totaler FREMDVERSORGUNG eingetreten sind&#8230; (Und in dieser irritierenden Situation wird sich nunmehr wie an einen Strohhalm daran geklammert, dass immerhin noch jeder in möglichst vollem Umfang für &#8220;sein&#8221; Geld selbst zu sorgen habe&#8230;)</p>
<p>Dies sind Hinweise auf einen grundsätzlichen Wandel, der durchaus revolutionär (sprunghaft oder stufenhaft) und nicht evolutionär zu verstehen ist (weshalb übrigens eine &#8220;darwinistische Sichtweise&#8221; [wie Stv. Hausmeister es nennt] auf das Phänomen von vornherein fehl geht, ohnehin, wenn man Darwins Theorie ganz unwissenschaftlich auf so etwas wie &#8220;der Stärkere im Überlebenskampf setzt sich durch&#8221; reduziert. Wir leben eben nicht mehr im Urwald. Wir können Urwälder zerstören. Wir leben in von uns gemachten Kulturen). Ich möchte diesen Hinweisen hier nur einen weiteren hinzufügen: Heute wird auch deutlich, dass man nicht mehr einfach mit Vorstellungen von &#8220;Leistungsträgern&#8221; weiter kommt und daran anschließend die sogenannte &#8220;Faulheit&#8221; von Menschen zum Problem erklärt. (Leistung wird getragen und erbracht von Sozialen Systemen und nur in zweiter Linie von Menschen, die lediglich „Positionen“ in diesen Systemen besetzen – und damit ersetzbar sind.) Vielmehr ist es gerade der private Aktivismus jedes Einzelnen in der Gesellschaft, der auffällig zum Problem wird. Spätestens durch die ökologischen Probleme tritt uns vor Augen, dass weniger der, der &#8220;nichts tut&#8221;, Probleme aufwirft, sondern eher der, der &#8220;nach Herzenslust&#8221; produziert, konsumiert und mobil ist, weil er sich für all das ausreichend mit Geld versorgt hat. Und auch derjenige wird zum Problem, der all das, was jener hat, nicht hat, aber ebenfalls anstrebt (mit möglichst billigen Produkten, die dann nach wenigen Tagen bereits Müll sind, Müll der nicht verrottet oder im besten Fall in den wilden Kreislauf der Wirtschaft wieder einfließt). Mit anderen Worten: Privilegierte wie Unterprivilegierte versinken in ihrem privaten Aktivismus &#8211; und der Sozialkörper verfault. Es passiert also genau das, was man durch ein bedingungsloses Grundeinkommen erst in Gang zu bringen befürchtet!!! Nämlich dass Menschen, statt sich umeinander zu sorgen, statt aufeinander einzugehen und sich (auch anders als mit Geld) auszutauschen, statt kreativ soziale Systeme zu erschaffen, eine soziale Skulptur und einen sozialen Körper zu bilden, statt eine mehr oder weniger solidarische Einheit herzustellen&#8230; , &#8211; statt all dem nur in ihrem eigenen privaten Mist und Konsum versauern.</p>
<p>Habe ich da nun mit meinen Worten &#8220;Stv. Hausmeister&#8221; bestätigt und lediglich ein &#8220;mentales Muster&#8221; zum Ausdruck gebracht? Ist es letztlich nur Polemik, so zu reden? Oder lässt sich die gleiche Aussage auch stinkseriös und sozialwissenschaftlich formulieren? Ja: Es geht mit dem Grundeinkommen letztlich um eine Transformation des Subsidiaritätsprinzips: Es geht um die Neubewertung der gesellschaftspolitischen Vorstellung, dass sich innerhalb einer Gesellschaft größere soziale Einheiten nur um diejenigen Belange von Menschen sorgen müssen und sorgen sollten, um die sich zu kümmern kleinere soziale Einheiten nicht in der Lage sind&#8230; Aber der Staat muss kleinere soziale Einheiten in seinem Innern erst einmal überhaupt sich bilden lassen! Und dazu muss er jedem einzelnen Freiheit und Unabhängigkeit verschaffen, um daran mitwirken zu können. Mit einem Grundeinkommen nun wendet sich die große abstrakte Einheit, der Staat, mit einer (und SEINER) ganz abstrakten Sache, nämlich mit Geld, ganz direkt und unmittelbar an die kleinste Einheit, nämlich an jedes einzelne Individuum in diesem Staat. (Denn es ist schließlich nicht der Einzelne, der in einer Fremdversorgungskultur für seinen Erwerbsarbeitsplatz selbst sorgen kann, der ihm das Geld garantiert, das er benötigt, um in ihr einkaufen zu gehen.) Es ist klar: Das Grundeinkommen wird dann die vielen Einzelnen in einer bestimmten Hinsicht, nämlich &#8220;finanziell&#8221; &#8211; um an dieser Stelle bewusst nicht mehr &#8220;ökonomisch&#8221; zu sagen &#8211; stärker voneinander unabhängig machen. Die Freiheit unter Menschen nimmt &#8220;wieder&#8221; oder &#8220;weiter&#8221; oder &#8220;vorerst mal wieder&#8221; (wie auch immer es also geschichtlich zu bewerten ist) zu. (Wenn man die Dynamik von sozialen Systemen nicht mit einkalkuliert, könnte man nun annehmen, dass das den Konsum und die &#8220;Wirtschaft&#8221; nur weiter anheizt [wie es "Joaoflux" gelegentlich in den Raum zu stellen scheint].) Aber es wird den Einzelnen auch unmittelbar in die Lage nötigen, selbst in soziale Einheiten zu &#8220;investieren&#8221; &#8211; mit sozialer Energie &#8211; , anstatt sich andere und deren &#8220;Arbeit&#8221; einfach nur für seine &#8211; privaten &#8211; Zwecke zu kaufen. Denn genau dafür wird dann letztlich jedem das Geld fehlen! (Kurz: Die finanzielle Erpressbarkeit nimmt ab. Und zwar um so mehr, je höher das Grundeinkommen ist. Und über diese Höhe kann einfach demokratisch entschieden werden.)</p>
<p>Abschließend sei angemerkt, dass genau hierher auch das moderne Problem des Lobbyismus gehört, in Bezug auf den man so deutlich spürt, dass er mit einer gesunden Demokratie und freiheitlichen Gesellschaft nichts mehr zu tun hat. Nur dann kann sich nicht mehr gegenseitig &#8220;gekauft&#8221; werden, wenn die größte soziale Einheit ganz unmittelbar der kleinsten Einheit die maximal mögliche ökonomische Freiheit verschafft, wenn der Staat für jeden Einzelnen da ist, und nicht für Ehen, Familien, Firmen oder andere Interessengruppen. Die haben dann für sich selbst zu sorgen! Und das werden sie auch tun – und dann tun können. &#8211; Denn schließlich wird es in einer globalisierten Welt darum gehen, dass wir uns auch mit &#8220;dem Fernsten&#8221; noch einig sind, und dazu müssen wir von &#8220;unserem Nächsten&#8221; vor allem &#8220;ökonomisch&#8221; unabhängig werden, um nicht genötigt zu sein, mit diesem Nächsten eigentumsbasierte, rein monetäre Allianzen gegen die zu bilden, die so fern sein können, dass wir sie nicht einmal sehen oder spüren&#8230;</p>
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		<title>Zum Wesen der Grundeinkommensdebatte</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Aug 2011 11:40:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stv. Hausmeister</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf Zeit-online ist gerade ein lesenswerter Beitrag zum Grundeinkommen erschienen mit einer konstruktiven, umfangreichen Forumsdebatte: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2011/08/16/ein-bedingungsloses-grundeinkommen-fur-alle_3433 Wichtig an den Forumsbeiträgen sind mir vor allem die mentalen Muster, die in der Auseinandersetzung mit dem Thema durchscheinen. Ich glaube, diese Muster sind viel bedeutsamer als die institutionelle Umsetzung selbst, wenn es um die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens [...]]]></description>
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<p>Auf Zeit-online ist gerade ein lesenswerter Beitrag zum Grundeinkommen erschienen mit einer konstruktiven, umfangreichen Forumsdebatte:<a title="Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle" href="http://blog.zeit.de/herdentrieb/2011/08/16/ein-bedingungsloses-grundeinkommen-fur-alle_3433" target="_blank"> http://blog.zeit.de/herdentrieb/2011/08/16/ein-bedingungsloses-grundeinkommen-fur-alle_3433</a></p>
<p>Wichtig an den Forumsbeiträgen sind mir vor allem die mentalen Muster, die in der Auseinandersetzung mit dem Thema durchscheinen. Ich glaube, diese Muster sind viel bedeutsamer als die institutionelle Umsetzung selbst, wenn es um die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens geht. Der Dreh- und Angelpunkt ist erstens das <span id="more-159"></span>Menschenbild, nämlich: Lässt das Grundeinkommen die Menschen zu anspruchsvollen Faulpelzen verfallen oder zu zufriedenen, kreativen, enagagierten Bürgern aufblühen? Und zweitens das Gesellschaftsbild, nämlich: Wird Gesellschaft als Arena für den Wettstreit der Individuen betrachtet oder als interdependente Gemeinschaft aller. Die darwinistische Sichtweise schließt ein bedingungsloses Grundeinkommen reflexhaft aus, die Gemeinschaftsperspektive lädt zur Auseinandersetzung damit ein.<br />
Zum philosophischen Menschenbild und der Realität ist Folgendes zu sagen: Sicherlich würden sich in beiden oben genannten Gruppen zahlreiche Leute tummeln &#8211; so wie jetzt auch schon. Doch was passiert in der Summe, Niedergang oder Aufblühen? Es gibt nur eine Antwort: Das lässt sich nicht präzise vorhersagen und schon gar nicht auf lange Sicht (&#8230; im dritten, siebten, zehnten Jahr). Es gibt interessante Modelle, doch alle basieren auf  Annahmen, und Gesellschaft ist zu komplex, um langfristige Dynamiken und Interdependenzen korrekt abzubilden.<br />
Das ist jedoch kein Argument, das Grundeinkommen nicht auszuprobieren. Indem die Ausgangsbedingungen möglichst klug gestaltet und bei Bedarf angepasst werden, kann die Gesellschaft schlauer werden. Tiefgreifende Veränderungen werden ohnehin notwendig.</p>
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		<title>Redliche Antworten auf brave Fragen (Zu einem Kommentar von Joaoflux)</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Aug 2011 17:47:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>klames</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was hat ein bedingungsloses Grundeinkommen mit dem Wachstumsdiktat unseres Wirtschaftssystems zu tun? Das Diktat und der Zwang zum Wachstum ist die Folge der Eigentumsverfassung unserer Wirtschaft. [Ausgearbeitet haben dies Gunnar Heinsohn und Otto Steiger in ihrer Eigentumstheorie von Zins und Geld, von der ich im folgenden ausgehe, aber auch abweiche.] Um überhaupt an dieser Wirtschaft [...]]]></description>
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<p>Was hat ein bedingungsloses Grundeinkommen mit dem Wachstumsdiktat unseres Wirtschaftssystems zu tun?<span id="more-153"></span></p>
<p>Das Diktat und der Zwang zum Wachstum ist die Folge der Eigentumsverfassung unserer Wirtschaft. [Ausgearbeitet haben dies Gunnar Heinsohn und Otto Steiger in ihrer Eigentumstheorie von Zins und Geld, von der ich im folgenden ausgehe, aber auch abweiche.] Um überhaupt an dieser Wirtschaft teilhaben zu können, muss man Eigentümer sein. Eigentum erlaubt es, es (als Gläubiger) belasten und (als Schuldner) verpfänden zu können. (Eigenes) Eigentum ist also nicht nur notwendig, um vorübergehend auf das eigene Anrecht darauf zu verzichten und &#8220;spekulieren&#8221; (Geld anlegen bzw. gewinnbringend verleihen und Zinsen erhalten) zu können, also zu entscheiden, wer damit was unternehmen darf, sondern Eigentum ist genauso auch notwendig, um Schulden machen zu können, weil man als Schuldner mit seinem Eigentum haftet, also dem Gläubiger Sicherheit bietet. Aus Sorge um sein (eigenes) Eigentum, wird der Eigentümer in die Ökonomie gezwungen. Unternehmer sind dabei Schuldner. Entgegen einer entspannten Vorstellung davon, was der Markt ist, kann also formuliert werden: &#8220;Der Markt ist KEIN TAUSCHPLATZ FÜR ANGEBOT UND NACHFRAGE von GÜTERMENGEN, sondern die Institution, in der Schuldner sich die Mittel zu beschaffen trachten, in denen sie ihre Zins- und Tilgungspflichten vereinbart haben.&#8221; [Heinsohn/Steiger "Eigentum, Zins und Geld" S.325, GROßschreibungen von mir] Bei genauem Hinsehen hebt das denn auch sehr schnell die klare Vorstellung auf, die man gemeinhin vom Unterschied zwischen &#8220;güterbasierter Realwirtschaft&#8221; und &#8220;spekulativer Geldwirtschaft&#8221; hat. Denn unsere Ökonomie hat prinzipiell mit Gütern von vorn herein gar nichts mehr am Hut. Vielmehr wird ein Unternehmer in die Produktion gezwungen, um &#8220;am Ende&#8221; seine Schulden bezahlen zu können. [Das ist übrigens auch für mich der Grund, warum der zweite Teil des Titels dieses Blogs ("postreale Ökonomie"), den "Stv. Hausmeister" letztens kritisiert hat, durchaus gerechtfertigt ist, wenn jene Wortschöpfung auch nicht von mir stammt, sondern von "Joaoflux"]</p>
<p>Auf dem Markt muss dieser Unternehmer nun gegenüber anderen verschuldeten Eigentümern bestehen. Um dies sicher zu stellen, muss seine Produktion möglichst effizient sein. An dieser Stelle kommen die Lohnarbeiter ins Spiel, deren Löhne möglichst gering sein müssen, um die Schulden des Unternehmens möglichst gering zu halten. Bei Heinsohn/Steiger scheinen in einer „Eigentumsgesellschaft“ alle Menschen Eigentümer zu sein, insofern es in ihr keine Sklaverei gibt [siehe etwa: Heinsohn/Steiger: "Eigentum, Zins und Geld" S. 384]; aber es stellt sich die Frage, ob im Modell der &#8220;Eigentumsgesellschaft&#8221; Lohnarbeiter nicht vielmehr als Nichteigentümer bzw. Eigentumslose gesetzt werden müssen. Denn das pure &#8220;Eigentum an sich selbst&#8221; (Heinsohn/Steiger) ist selbstverständlich nicht belast- oder verpfändbar. Idealiter mögen alle Menschen Eigentümer sein. (Theoretisch ist auch die Null eine Zahl.) Aber ein Mensch IST kein Eigentümer, wenn er es erst WIRD dadurch, dass er für Geld arbeitet. Und wenn sich die Höhe des Lohns am ökonomischen Eigentums- und Schuldenzwang bemisst, kann auch die &#8220;Bereitschaft&#8221;, für Geld zu arbeiten, nichts anderes sein als eben dieser ökonomische Zwang. Und genau an dieser (&#8220;realwirtschaftlichen&#8221;) Stelle unterbricht ein Grundeinkommen den Kreislauf des ökonomischen Zwanges.</p>
<p>Spekulant &#8211; Unternehmer &#8211; Lohnarbeiter: Der ökonomische Zwang ist grundsätzlich für jeden der gleiche (und übrigens ist in der Praxis natürlich kein Individuum an nur eine dieser Kategorien gebunden): Er erwächst aus dem Zwang zum Eigentum und dem Zwang zum Schutz des Eigentums, wobei Schulden Wachstum erforderlich machen, damit sie getilgt und Zinsen bezahlt werden können. 1. Spekulant (Gläubigereigentümer) &#8211; 2. Unternehmer (Schuldnereigentümer) &#8211; 3. Lohnarbeiter (Nichteigentümer). Ein (mehr oder weniger hohes) Grundeinkommen bringt jeden Menschen (mehr oder weniger) in die Lage, ein Unternehmer sein zu können (und vielleicht sogar zu müssen). Es geht beim Grundeinkommen sozusagen um die politische Festlegung einer ökonomischen Mitte. Und dies ist eine unternehmerische Mitte. (Damit wird auch der Sinn der Rede von einem quasi neuen Unternehmertum, etwa vom &#8220;Unternehmer in eigener Sache&#8221; weiter ins Licht gerückt, von dem der Unternehmer und Grundeinkommensaktivist Götz Werner im Zusammenhang mit dem Grundeinkommen gerne spricht. [siehe z.B. Götz Werner: "Einkommen für alle" S.78]) Ein Unternehmer in einer Welt mit Grundeinkommen kann dabei ein Unternehmer sein, der nicht nur unter dem Druck tätig ist, Schulden erwirtschaften zu müssen, also nur im wahrsten Sinne des Wortes um jeden Preis seinen Kopf aus der Schuldenschlinge ziehen zu müssen, sondern vor allem einen (seinen) Beitrag für die Gesellschaft leisten kann. Und ein solcher Beitrag ist ja der eigentliche Sinn eines jeden Unternehmens, eines jeden Tätigwerdens&#8230; Und eben nicht, dass nur permanent Zinsen und Tilgung von Schulden erwirtschaftet werden müssen. &#8211; Was wir ökonomisch hinter uns gelassen haben ist der Tausch, was vor uns liegt ist das Beitragen. Dazwischen liegt der Schuldenzwang.</p>
<p>Wenn Menschen aufgrund des Grundeinkommens aus der Arbeit für Geld aussteigen sollten, so ist das nicht schlimm, sondern genau das gehört dann zum Konzept dazu und steht keineswegs dazu im Widerspruch. Auch die sich epidemisch immer weiter ausbreitende Erwerbsarbeit gehört ja zum paradoxen Diktat des gegenwärtigen Systems (paradox deshalb, weil es parallel dazu permanent Erwerbsarbeitsplätze durch Rationalisierung aussortiert). Nicht für Geld (Bezahlung) tätig zu sein, ist in der Geschichte der Menschheit weit sicherer erprobt und bewährt als die geschichtlich neue Erwerbsarbeit. Auch insofern ist nicht die Einführung des Grundeinkommens eine gefährliche Neuerung oder das größere Risiko, sondern so weiter zu machen wie in den letzten Jahrzehnten. Dass ein Ökonom (den man natürlich gerne Fragen würde; denn die Ausgangsfrage will ja eine rein ökonomische Frage sein) heute niemals auf die Idee des Grundeinkommens kommen wird, liegt in der Natur seines Faches. Da geht es nur um Zahlungen oder Tausch. Also kann der Ökonom vielleicht noch auf die Idee zu Konzepten einer &#8220;Komplementärwährung&#8221; (wie z.B. Bernard Lietaer) kommen, um damit vom Schuldenbasierten wirtschaften wegzukommen und für das Geld einen Tauschcharakter zurückzugewinnen, aber er wird niemals ein Grundeinkommen denken können. Das geht ihn schlicht nichts an. Es interessiert ihn nicht als Ökonom. Es sind auch wohl eher Soziologen als Ökonomen, die die grundlegende Bedeutung des Eigentums für die Wirtschaft bemerken. Denn einem Ökonomen ist der Mensch als Eigentümer egal. Oder genauer: Ihm ist es egal, ob ein Mensch ein Eigentümer ist oder nicht. Ihm geht es nur um die Wirtschaft: um Zahlungen oder Tausch. Zwar ist auch einem Soziologen wie etwa Niklas Luhmann der Mensch ganz allgemein für seine Theorie erklärtermaßen egal (weil der Mensch &#8211; als psychisches System &#8211; systemtheoretisch zur Umwelt der Gesellschaft gehört; die Gesellschaft besteht nicht aus psychischen Systemen, sondern aus sozialen Systemen), aber ein Soziologe hat, wenn auch nicht den Menschen, so doch außer dem Wirtschaftssystem noch andere soziale Systeme im Blick. Und so kann er erkennen, wann ein System &#8211; wie das Wirtschaftssystem &#8211; andere Systeme gleichsam okkupiert und Zahlungen plötzlich an Stellen und für Tätigkeiten stattfinden, an die und für die keineswegs Marktkriterien angelegt werden müssten. Natürlich kann das geschehen. Das sieht man ja gegenwärtig. Aber es muss nicht sein. Es ist kontingent. Und möglicherweise die schlechtere Möglichkeit.</p>
<p>(Warum wählt man politisch die schlechtere Möglichkeit? Weil Politik nichts anderes ist, als die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung (wie sie ist, bis es in ihr endgültig so chaotisch zugeht, dass eine neue Ordnung her muss). Insofern bestehen politische Positionen heute (erkennbar an den Positionen von Parteien bzw. deren Politikern) in nichts anderem als Meinungen darüber, wer in der Gesellschaft die &#8220;Leistungsträger&#8221;, und wer die bloßen Profiteure bzw. &#8220;Schmarotzer&#8221; sind und wo (in welcher Eigentumskategorie) sie sitzen. Als Positionen von Menschen (also psychischen Systemen) wird es solche Meinungen übrigens auch bis in alle Ewigkeit geben. In der Politik müssen sie langfristig so wenig sein wie etwa Vorstellungen von Gottesgnadentum oder Reichsphantasien oder dergleichen. Der Kniff politisch zuletzt entwickelter &#8220;grüner&#8221; Positionen besteht darin, das Problem auszulagern und sich darauf zu versteifen, den Blick auf die natürliche Umwelt der Gesellschaft zu verlagern. Nicht die gegenwärtige eigentumsbasierte ökonomische Ordnung mit seinem &#8220;Abfallprodukt&#8221; Wachstum wird ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt (denn dagegen ist schlecht zu argumentieren; und welcher &#8220;Öko&#8221; hat nicht mal davon geträumt (zusammen mit ein paar andern) auf dem eigenen (!) Bauernhof zu leben), sondern ihr &#8220;Abfallprodukt&#8221; Umweltverschmutzung. Dadurch ist eine Veränderung der eigentlichen Ursachen der Probleme noch einmal für einige Zeit aufzuschieben.)</p>
<p>Warum sollte Zahlungsunfähigkeit nach Einführung des Grundeinkommens weniger Teil des Systems sein?</p>
<p>Systeme sind dynamisch. (Genau das muss man mitzudenken versuchen, wenn es auch gerade unmöglich ist, die Dynamik in vollem Umfang zu erfassen. Um es anzudenken reicht jedenfalls nicht eine klassisch zweiwertige Logik aus, die fatalerweise noch immer oft mit Rationalität gleichgesetzt bzw. verwechselt wird. Obwohl sie von der Wissenschaft des zwanzigste Jahrhundert längst um mehrwertige Logiken ergänzt wurde. Eine zweiwertige Logik kennt keine Dynamik oder Veränderung in der Zeit. In einer zweiwertigen Logik lässt sich eine Paradoxie nicht entfalten, sondern es ist mit der Paradoxie immer schon Schluss. Mit anderen Worten: Es tut sich gar nichts. Jedenfalls: es wird nicht verstanden, was sich tut oder tun könnte, und es will auch gar nicht verstanden werden.) Interessanterweise ist in der Frage oben von einem &#8220;System&#8221; die Rede, das nicht weiter benannt wird. Nur weil in der Frage auch von Zahlung die Rede ist, ist vermutlich immer noch (nur) vom Wirtschaftssystem die Rede. Aber es liegt auch nahe zu glauben, dass das Gesellschaftssystem insgesamt gemeint sein soll&#8230; Das Gesellschafssystem besteht eben nicht nur aus dem Wirtschaftssystem, das Wachstum generiert. Zahlungsunfähigkeiten werden in der Tat (vorerst?) Teil des Wirtschaftssystems bleiben, weil sich das Wirtschaftssystem in seiner Funktion nicht ändern wird. Es generiert Wachstum. Aber einer Zahlungsunfähigkeit wird zukünftig sozusagen jede Tragik fehlen. Erfolglose Unternehmen sollten zahlungsunfähig werden dürfen (und dann aus dem Markt ausscheiden). Aber es ist schlicht Unsinn, eine ganze Gesellschaft systematisch sich in den Ruin treiben zu lassen, indem immer mehr Handlungen des Menschen dem Wirtschaftssystem unterworfen werden, weil die schulden- und eigentumsbasierte Wirtschaft den Menschen dazu zwingt, und immer mehr &#8211; Produkte und Tätigkeiten &#8211; marktorientierten Effizienzkriterien unterwirft, und für jeden einzelnen Menschen das Geldverdienen &#8211; Eigentum bewahren oder sich verschaffen &#8211; zum im wahrsten Sinne des Wortes &#8220;Maß aller Dinge&#8221; macht. Genau dem schiebt ein Grundeinkommen einen Riegel vor.</p>
<p>Und wie sieht es generell mit dem Schuldenmachen aus? Wäre das nach Einführung eines Grundeinkommens für irgendjemanden (Individuen, Unternehmen, Staaten) weniger attraktiv? Weniger notwendig?</p>
<p>Nochmals: Systeme sind dynamisch! Weder Staaten noch Unternehmen (siehe oben) werden längerfristig die gleichen bleiben, ja nicht einmal Individuen &#8211; also psychische Systeme &#8211; werden die gleichen bleiben, weil ihr Arrangement mit ihrer sozialen Umwelt eine ganz andere Form wird annehmen müssen. Für Individuen wäre Schuldenmachen zunächst weniger notwendig (siehe oben). Niemand wird mehr in die Produktion bzw. Ökonomie gezwungen, (nur) um zu verhindern, ökonomisch auf Null herabzusinken. Dann wird sich langfristig enorm verändern, was heute &#8220;der Staat&#8221; genannt wird. Staaten (wenn auch nicht die Gesellschaft (siehe oben)) bestehen aus Individuen. Wer macht denn Schulden, wenn der Staat Schulden macht? Wir alle, die wir in diesem Staat leben und arbeiten und wirtschaften. Es sind unsere Schulden. Aber dann sollte auch jeder einzelne mitentscheiden können, wie man sich verschuldet. Dies kann er nur als (nichtverschuldeter) Eigentümer (&#8230;und nicht, wie es bei Heinsohn/Steiger in &#8220;Eigentum, Zins und Geld&#8221; S.248 in Bezug auf den „Zentralbankdefekt“ heißt: „solange die Eigentumskonzentration die Verschuldungsfähigkeit von Bürgern zerstört und somit den Staat solange in die Position eines stellvertretenden Schuldners nötigt, wie er eine Neuverteilung von Eigentum umgeht.“). &#8211; Aber mit dieser Antwort redet man eben immer noch in heutigen Kategorien. Und die werden sich verändern.</p>
<p>(Attraktiv ist Schulden machen übrigens nie. (Genauso wenig wie es attraktiv ist, etwas zu tun, was einem nicht gut tut, um damit anderen etwas gutes zu tun.) Notwendig ist Schuldenmachen entweder zum produzieren oder zum konsumieren. Interessant also, zu suggerieren, Schuldenmachen könne attraktiv sein. Warum tut man das?)</p>
<p>Warum herrscht nach Einführung des Grundeinkommens weniger Knappheit?</p>
<p>Es herrscht weder weniger, noch mehr Knappheit nach Einführung des Grundeinkommens, es herrscht weniger das Empfinden von Knappheit (in Bezug aufs Eigentum). Das reicht. Das ist ja genau das, was man an den Börsen sehen kann: es reichen und entscheiden mehr und mehr die Gefühle. Und beim mehr oder weniger alltäglichen Einkaufen ist es auch nicht anders. Und bei Geschäftsideen ebenfalls nicht. In Bezug auf Güter und Ressourcen auf der Welt ändert das Grundeinkommen natürlich zunächst einmal gar nichts. (Siehe dazu meine abschließende Anmerkung!)</p>
<p>Wäre es nicht gerade besonders nachhaltig, wenn echte Knappheit auch im System als solche abgebildet wird, statt externalisiert zu werden?</p>
<p>Diese Frage sollte sich nun endgültig erübrigen. &#8211; Was ist &#8220;echte Knappheit&#8221;? Es gibt schon heute keine &#8220;echte Knappheit&#8221; mehr. Knappheit ist eben nur noch Knappheit des Eigentums. Genau diese Knappheit wird im Wirtschaftssystem abgebildet. Durch Geld. (Von dem man als Eigentümer nie genug haben kann, weil man immer sein ganzes Eigentum verlieren kann.) Denn Knappheit ist das, was die Ökonomie voraussetzt. Nachhaltig ist das nur für diese Wirtschaft, nicht für die Gesellschaft – und für deren natürliche Umwelt schon gar nicht, psychische Systeme (Menschen) eingeschlossen.</p>
<p>Abschließende Anmerkung:</p>
<p>Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird die Welt nicht abrupt verändern. Aber ein Grundeinkommen stellt einen Paradigmenwechsel dar, von dem aus (dynamisch) eine neue, wieder freiere Weiterentwicklung einsetzen kann. Meine Vermutung ist, dass er wesentlich dazu beiträgt, die Menschen (sehr) langfristig aus der Eigentumsverfassung der Wirtschaft herauszuführen. Und damit auch aus der heute schon überkommenen Vorstellung von Knappheit. Indem man Menschen mit dem Grundeinkommen mehr oder weniger Eigentum verschafft, wird dessen Bedeutung abnehmen. Ganz richtig: Das ist (vielleicht) paradox! Weil Eigentum weniger knapp sein wird, wird es an Bedeutung verlieren. Es ist unmöglich zu sagen, welche Probleme das der zukünftigen Gesellschaft machen wird. Aber zunächst einmal sollte man nicht glauben, dass ein Grundeinkommen sozusagen eine nie da gewesene Wohltat an den Menschen darstellt, mit der man &#8211; paradoxerweise &#8211; für die Gesellschaft und Gemeinschaft Kopf und Kragen riskiert. Jedem Menschen bedingungslos ein Einkommen zu verschaffen, ist vielmehr in genauer Analogie zum letzten gesellschaftlichen Paradigmenwechsel von der Feudalgesellschaft zur heutigen Gesellschaft zu sehen. Was geschah da? Das &#8220;Kapital&#8221; sozusagen war das fruchtbare Land. Es war in den Händen des Feudalherren. „Bewirtschaftet“ wurde es von den &#8220;unfreien&#8221; (eigentumslosen) Bauern. Die Verwaltung und Verteilung des Ertrags oblag dem Feudalherren. Er konnte ein guter und ein schlechter Herr sein. Und es konnte gut oder schlecht laufen. Im jeweils zweiten Fall wird sich der Unmut der Bauern als Ärger über den Herrn geäußert haben und vielleicht als Wunsch, einen zu haben, der es besser macht &#8211; ohne sich aber im wesentlichen eine Veränderung der Verhältnisse (der hierarchischen sozialen Differenzierung) vorstellen zu können oder vorstellen zu wollen. Aber die Verhältnisse veränderten sich schließlich doch. Und die revolutionäre Zuteilung von Land als Eigentum für die das Land bewirtschaftenden Bauern war die entscheidende Veränderung. Jeder Bauer bekam „einfach so“ sein Fleckchen Erde als Eigentum. Das konnte er bewirtschaften, damit konnte er wirtschaften. Er war sein eigener Unternehmer geworden. Das kann man als die eigentliche Geburtsstunde des Eigentums ansehen. Heinsohn/Steiger weisen in diesem Zusammenhang immer wieder treffend darauf hin, dass es also ein purer Rechtsakt war (Die Schaffung eines Anrechts auf Eigentum), der da die Weltgeschichte in eine neue Richtung aufbrechen ließ, bzw. ihr einen neuen Anstoß gab; es war ein politischer bzw. juristischer Akt, ohne dass sich damit zu diesem Zeitpunkt in Bezug auf Ressourcen oder Güter auch nur irgend etwas auf der Welt geändert hätte! &#8211; Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre das gleiche&#8230;</p>
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		<title>Eine Erde und eine Atmosphäre</title>
		<link>http://holzfrei.com/2011/07/17/eine-erde-und-eine-atmosphare/</link>
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		<pubDate>Sun, 17 Jul 2011 16:48:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>klames</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Keiner hier hat je bestritten, dass sich &#8220;das Grundeinkommen nur unter den Bedingungen des vorhandenen Geldsystems einführen&#8221; lässt. Im Gegenteil. Dieses System wird funktionell auch noch das gleiche bleiben, wenn es zur Einführung des Grundeinkommens schließlich gekommen ist. Das ist ja gerade der Witz! Was mit dem Grundeinkommen verändert wird, ist lediglich die UMWELT (die [...]]]></description>
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<p>Keiner hier hat je bestritten, dass sich &#8220;das Grundeinkommen nur unter den Bedingungen des vorhandenen Geldsystems einführen&#8221; lässt. Im Gegenteil. Dieses System wird funktionell auch noch das gleiche bleiben, wenn es zur Einführung des Grundeinkommens schließlich gekommen ist. Das ist ja gerade der Witz! Was mit dem Grundeinkommen verändert wird, ist lediglich die UMWELT (die Rahmenbedingungen) dieses Systems! Und auf die veränderten Umweltbedingungen muss dieses System dann eben reagieren. Und daraus ergeben sich die Antworten auf die gestellten Fragen nach den ÖKONOMISCHEN Folgen eines Grundeinkommens: Dann muss z. B. bislang &#8220;unterbezahlte&#8221; Arbeit schließlich doch angemessen bezahlt werden, damit sie getan wird.<span id="more-151"></span>Warum sollte das die Gesetze des Wirtschaftssystems aus den Angeln heben? Selbst Mindestlöhne sind ein viel stärkerer Eingriff, weil sie eine viel klarere und bestimmtere Reglementierung darstellen und mehr oder weniger direkt aufs Wirtschaftssystem zugreifen. Dass demgegenüber Unternehmer sich ihre Arbeitskräfte grundsätzlich suchen müssen (im Prinzip nicht weniger wie Menschen &#8220;Arbeit suchen&#8221;), ist nichts neues seit es keine Sklaverei mehr gibt. Dass auch bei der Abschaffung der Sklaverei vor allem die Privilegierten ernsthaft (und durchaus altruistisch besorgt) geglaubt haben dürften, dass in Zukunft grundlegende Arbeit nicht mehr getan wird &#8211; dazu braucht man nicht viel Phantasie&#8230; Die Innovationskraft nimmt vielleicht zu, weil mit neuen Maschinen erledigte Arbeit nun mal billiger ist, als mit &#8220;alten&#8221; Händen erledigte Arbeit. Vielleicht nimmt sie aber auch ab, könnte man meinen, weil vielleicht der Druck der verschuldeten Unternehmer zur Tilgung ihrer Schulden abnimmt, also letztlich der Konkurrenzdruck der Unternehmen am Markt; aber Unternehmer begleichen ihre Schulden ja nicht mit ihrem Grundeinkommen. Es könnte sein, dass es weniger Großunternehmer geben wird, oder weniger, die das sein wollen oder ökonomisch in diese Lage gezwungen werden. Aber die Frage ist vielmehr, ob man sich um die Innovationskraft, womit ja wohl letztlich das wirtschaftliche Wachstum gemeint ist, überhaupt die Gedanken machen müsste, die man sich heute macht, weil man heute eben wirtschaftlich in der Lage steckt, sie sich machen zu müssen, um nicht in Schulden unterzugehen ( &#8211; ob als Unternehmer, Staat oder dessen Bürger).</p>
<p>Ein &#8220;besseres&#8221; Leben setzt den Menschen (KULTURELL UND SOZIALPSYCHISCH) weniger Zwang und Gewalt aus. Welcher Mensch welche Umstände als drückend empfindet, ist letztlich vielleicht relativ. (Und wer mag entscheiden, ob die Stammesgesellschaft, die Feudalgesellschaft, unsere heutige Gesellschaft oder die, die kommen wird, ein besseres oder schlechteres Leben ermöglicht?) Weniger relativ ist hoffentlich das Empfinden für die Gewalt der Relationen zwischen Arm und Reich. Ein Grundeinkommen würde zumindest die Entscheidung über das Ausmaß einer ökonomischen Ungleichheit unter den einzelnen Menschen in die Hände der Menschen legen: Sowohl die Frage der Einführung, als auch die der Höhe eines Grundeinkommens stellt eine politische Entscheidung dar. Und wir leben &#8211; zumindest theoretisch &#8211; in einer Demokratie&#8230; Es liegt im Wesen des Grundeinkommens, dass jeder sein &#8220;Empfänger&#8221; ist. Warum sollte man demnach mehr als heute &#8220;Verachtung&#8221; der Menschen untereinander befürchten? Immer und in jeder Gesellschaftsordnung steht der Mensch unter der kontrollierenden Beobachtung anderer Menschen. Man kann auch heute schon sehr wohl Menschen dafür verachten, womit sie ihr Geld verdienen, bzw. das Geld anderen aus der Tasche ziehen. Ein Grundeinkommen wird lediglich die Tendenz verstärken, dieses „Geldverdienen“ nicht mehr als das Maß schlechthin für gesellschaftliche Anerkennung und Macht zu sehen. Auch heute schon dürfte Menschen klar sein, dass man sinnvolle Dinge tun kann, ohne damit Geld oder viel Geld zu verdienen. Ein Grundeinkommen wird klar werden lassen, wie viele Dinge das noch alles sein können. Nichts, was das Leben lebenswert macht, ist wirklich effizient. Kunst, Sport, die Pflege gebrechlicher Menschen oder einfach nur die Sorge umeinander &#8211; nichts davon ist effizient. Und es gibt keinen Grund dies alles den wirtschaftlichen Effizienzkriterien zu unterstellen und Marktgesetzen zu unterwerfen, anstatt Menschen einfach genug Geld zum Leben zu geben, damit sie es tun können, wenn sie wollen&#8230; &#8220;Die Beziehung zwischen Staat und Subjekt&#8221; wird sich ganz einfach deshalb verbessern, weil „der Staat“ etwas ganz anderes werden wird in einer Welt, in der er nicht mehr als abstrakte, verwaltende Obrigkeit agiert, sondern Menschen freier als heute beginnen können, sich selbst ihre Netzwerke zu errichten, mit denen sie sich verwalten und damit ihren Staat bauen&#8230; Dass die Entscheidung für ein Grundeinkommen heute von einzelnen Nationalstaaten wird ausgehen müssen, wirft natürlich die Frage nach dem Verhältnis der Staaten zueinander, von deren Bürgern und Aus- und Zuwanderern auf. Aber warum sollte dies Verhältnis problematischer als heute sein? Man kann mit einem Grundeinkommen nur irgendwo anfangen, genau so, wie man nur irgendwo damit beginnen kann, Atomkraftwerke abzuschalten&#8230;</p>
<p>Was halst der Menschheit die ÖKOLOGISCHEN Probleme auf? Ganz einfach: Produktion und Konsum &#8211; und damit verbunden: Mobilität. Also gibt es zunächst zwei Möglichkeiten, das Problem anzugehen. Erstens: Weniger von all dem. Oder zweitens: All das mit weniger Abfall (bzw. Energieverbrauch). Oder dann: beides&#8230; Müssen Produktion und Konsum und Mobilität das Ausmaß annehmen, dass sie heute angenommen haben? Nein. Warum haben sie dann aber dieses Ausmaß angenommen? Weil die Voraussetzung der Knappheit nicht nur die Grundlage des wirtschaftlichen, sondern des gesamtgesellschaftlichen Denkens geworden ist. Warum? Weil wir alle Eigentümer sind. Und Eigentum ist immer knapp, weil wir es vor anderen Eigentümern zu verteidigen haben, um nicht ruiniert zu werden. Insofern kommt der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung nichts mehr zupass, als die Entdeckung der ökologischen Probleme: Denn damit kann bis hinein zu politisch „grünen“ Positionen suggeriert werden, dass die absolute Grundlage unseres Wohlergehens und Überlebens das Verhältnis der Menschen zu der sie umgebenden &#8220;Natur&#8221; ist UND NICHT ein gerechteres (oder sollte man sagen: entspannteres) Verhältnis der Menschen untereinander &#8211; das auch jede andere Gerechtigkeit (gegenüber Tier und Natur) nach sich ziehen würde, weil der unbedingte (und rücksichtslose) Zwang zu Produktion und Wachstum verschwände. Er verschwände deshalb, weil nicht mehr Knappheit die Grundlage unseres Denkens wäre. Eine Solarzelle und ein Elektroauto aber müssen &#8211; und dafür dankt man Gott &#8211; produziert werden. Und Produktion gilt als gut und Mobilität als notwendig für Produktion und Konsum. Und Produktion ist gut, weil Wachstum gut ist. Und Wachstum ist gut, weil es notwendig ist, damit Schulden bezahlt werden können. Und Schulden müssen bezahlt werden, weil permanent Schulden gemacht werden und gemacht werden müssen, um das eigene Eigentum zu sichern durch ein sich Durchsetzen auf den Märkten gegenüber anderen Eigentümern. Zahlungsunfähigkeit ist kein Zufall und nicht mal ein Unfall. Die logische Grundlage des gesamten Systems ist der Ruin und die Pleite. Und nicht ein Niveau, auf das man sich einfach nur politisch einigen müsste&#8230;</p>
<p>Und da man meine Antworten vielleicht, wie gewohnt, wieder als moralisch und esoterisch und irrational und was weiß ich noch alles bezeichnen wird (das heißt, man wird Bezeichnungen dafür finden, die, meint man, keine Argumente zu sein brauchen, weil ja auch ich, meint man, nicht realistisch argumentiere), will ich einfach schon mal gesagt haben (auch wenn das kein Argument ist): Es sind einfach nur Antworten und nicht nur brave Fragen in eine Weltordnung hinein, von der man wie in der Schule nur Antworten bekommen kann, die der Erziehung zu einem Leben in dieser überkommenen Ordnung dienen&#8230;</p>
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		<title>Drei Verhakungen und drei Sphären</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jul 2011 09:04:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stv. Hausmeister</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
		<category><![CDATA[Grundeinkommen]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>

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		<description><![CDATA[Ist hier drin, was draufsteht? Zunächst möchte ich feststellen, dass der Titel dieses Blogs, Überlegungen zur postrealen Ökonomie, Unsinn ist: Weder verweist dieser Begriff auf eine Debatte, noch lässt er sich semantisch erschließen, denn was auch immer eines Tages sein wird, es wird unentrinnbar Realität sein. Oder besteht der Sinn darin, den Realitätsbezug erklärtermaßen hinter [...]]]></description>
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<p>Ist hier drin, was draufsteht? Zunächst möchte ich feststellen, dass der Titel dieses Blogs, <em>Überlegungen zur postrealen Ökonomie</em>, Unsinn ist: Weder verweist dieser Begriff auf eine Debatte, noch lässt er sich semantisch erschließen, denn was auch immer eines Tages sein wird, es wird unentrinnbar Realität sein. Oder besteht der Sinn darin, den Realitätsbezug erklärtermaßen hinter sich zu lassen?<span id="more-145"></span></p>
<p>In der Tat, die Diskussion erscheint stellenweise verhakt: Erstens, wenn das Normative gegen das Empirische ins Feld geführt wird, also wenn die moralische Perspektive die Beschreibung der Realität nicht dulden mag. Zweitens, wenn die Fundamentalkritik an der etablierten Wirtschaftsordnung die rationale Auseinandersetzung mit einer konkreten Frage ins Amorphe verwirbelt – z.B. mag unser Geldsystem eine skurrile Institution sein, dennoch lässt sich das Grundeinkommen nur unter den Bedingungen des vorhandenen Geldsystems einführen oder bis auf weiteres gar nicht. Es ist legitim, das Geldsystem infrage zu stellen, doch lassen sich daraus hinsichtlich Grundeinkommen keine Argumente schöpfen. Und drittens, wenn Begriffsbedeutungen statt Analysen die Diskussion beherrschen.</p>
<p>Zweifellos, das Thema Grundeinkommen ist zu groß für einen Einzelnen, auch für drei Einzelne. Vor dem Hintergrund, welche Ziele damit erreicht werden sollen und welche erreicht werden <em>können</em>, möchte ich drei Sphären mit Fragen formulieren, von denen wir vielleicht einige gemeinsam durchdenken wollen.</p>
<p>() Ökonomie: Würden die gewünschten Güter und Dienstleistungen weiterhin erzeugt werden? Wie entwickeln sich Preise für die Grundversorgung, z.B. wenn bestimmte Leistungen nicht mehr mit Billiglöhnen erstellt werden? Wie bleibt die Innovationskraft erhalten? Wie viele Leute gehen dann nicht mehr zu ihren unterbezahlten Jobs? Mit welchem Steuerregime lassen sich die öffentlichen Haushalte dauerhaft finanzieren? Wie stabil wäre das System bei Störungen und Veränderungen wie die demographische Entwicklung, steigende Rohstoffpreise, neue Finanz- und Wirtschaftskrisen, zukünftige Produktivitätssteigerungen und Überraschungen, die wir noch gar nicht in als Risiko definiert haben?</p>
<p>() Sozialpsychisches und Kultur: Wird das Leben dann besser? Fördert das Grundeinkommen alternative Lebensformen; aktiviert es die Menschen? Macht es die Menschen träge; werden Rausch, Depression, Sinnverlust, Absinken ins Unproduktive zunehmen? Entsteht eine breite Verachtung für die Empfänger, die sich nicht mehr amtlich untersuchen lassen müssen, um an ihr Geld zu kommen? Wird es eine neue Schicht der Unterprivilegierten geben: ausländische Mitbürger und zukünftige Zuwanderer, die kein Grundeinkommen erhalten? Verbessert sich die Beziehung zwischen Staat und Subjekt insgesamt?</p>
<p>() Ökologie: Unter welchen Bedingungen ist das Grundeinkommen mit einem ökonomischen Paradigmenwechsel vereinbar – hin zu einer Wirtschaft ohne Wachstumszwang und ohne Begleiterscheinungen wie Naturzerstörung, Energieverschwendung, Lärm, Verkehr, Vergiftung, Müll, etc.? Oder wirkt das Grundeinkommen sogar als Beschleuniger, weil noch mehr Kram konsumiert wird oder die Finanzierung den gesellschaftlichen Wachstumszwang sogar verstärkt?</p>
<p>Fragen über Fragen. Wenn sich für alle drei Sphären zufriedenstellende Antworten und Lösungen finden lassen, kann man mit Recht von einem nachhaltigen Programm sprechen. Es bleibt dann immer noch die Umsetzung durch Politik und Recht. Ideologie, Intoleranz, Dummheit werden eine immense Rolle spielen. Der irrationale Eifer der Menschen kann wunderliche Züge annehmen, siehe Energie, Verkehr, Bildung, Nahrungsmittelproduktion. Doch bis es soweit ist, wäre eine klarere Vorstellung vom bedingungslosen Grundeinkommen und seinen Konsequenzen ein großer Schritt nach vorn.</p>
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		<title>Alte Welt ade!</title>
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		<pubDate>Tue, 17 May 2011 09:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>klames</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Gegenteil! Ich habe bereits eigens betont, dass ich die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht für die (Wieder-) Einführung des Paradieses halte. Aber ich finde, es ist wieder mal an der Zeit, dass die Menschheit einen Sprung macht, um dann frucht- und nutzbaren Problemen gegenüberzustehen, statt sich das Leben selber schwer zu machen. Eine Welt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Gegenteil! Ich habe bereits eigens betont, dass ich die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht für die (Wieder-) Einführung des Paradieses halte. Aber ich finde, es ist wieder mal an der Zeit, dass die Menschheit einen Sprung macht, um dann frucht- und nutzbaren Problemen gegenüberzustehen, statt sich das Leben selber schwer zu machen. Eine Welt mit Grundeinkommen wird Probleme machen, die wir uns heute nicht träumen lassen (so ist es immer vor bzw. nach Paradigmenwechseln), aber so gut wie kein einziges von den Problemen, die Kritiker heute so selbstbewusst befürchten. &#8211; Was soll’s&#8230; Die Menschen haben sich seit Generationen daran gewöhnt, das Vorhandensein von Eigentum zu akzeptieren, und gleichzeitig Abgaben zu machen und Steuern zu zahlen. Und nun werden sie sich auch daran gewöhnen, Geld zu bekommen, ohne so genau zu wissen, wofür.<span id="more-138"></span></p>
<p>Es ist für mich auch nicht nachvollziehbar, wieso du meinen Ansatz für übermäßig moralisch hältst (insofern nicht Schreiben und Nachdenken selbst moralische Akte sind) oder gar für esoterisch (nur weil du ihn offenbar nicht nachvollziehen kannst). (Die Frage, inwiefern Geld jemandem &#8220;gehören&#8221; kann, als ein Abgleiten in &#8220;letztlich esoterische Kategorien&#8221; abzutun, dieses Vorgehen scheint mir bereits ideale Verhältnisse irgendwie vorauszusetzen. Das ist zwar auch irgendwie sympathisch, aber es hilft nicht weiter bei der Frage, was denn nun zu tun ist.) &#8211; Beim letzten mal habe ich vor allem historisch argumentiert und ein Grundeinkommen als quasi logischen Schritt innerhalb einer geschichtlich nachvollziehbaren Entwicklung zu erklären versucht. Es ist ein neuer Schritt heraus aus feudalen bzw. totalitären Strukturen, das heißt aus einer Welt, in der die Entscheidungsgewalt offen oder versteckt bei wenigen Menschen bzw. deren systemischen Zusammenschluss liegt. Wobei heute alle, die für Geld &#8211; selbst für wenig (auch für viel zu wenig!) &#8211; arbeiten, in diesem System (nämlich der &#8220;Wirtschaft&#8221;) mitmischen. Genau das macht es so schwierig, da irgendwo (ohne Paradigmenwechsel) den Hebel für eine nachhaltige Lösung des Problems anzusetzen. Die einen mögen im &#8220;Sturm&#8221; spielen, die andern in der &#8220;Abwehr&#8221;; aber die in der Abwehr können schwerlich den Stürmern vorwerfen, dass die vorne die Tore schießen&#8230;</p>
<p>Esoterisch bist eher du selbst zu Gange mit schönen neuen („new age“) Begriffsbildungen wie &#8220;Hyperökonomie&#8221; (und &#8220;Turbokommunikation&#8221;). Immerhin sparst du dir damit Gott sei Dank den alten Begriff &#8220;Kapitalismus&#8221;. Denn was wir auf der Erde nun ökonomisch vorliegen haben, ist eben kein ökonomisches Ungeheuer, sondern einfach nur eine durch &#8220;monetarisierung&#8221; (Geld) &#8220;vollständig ausdifferenzierte Wirtschaft&#8221;. [vgl. z.B.: Baraldi, Corsi, Esposito: "GLU - Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme" S.209-211] Und wenn darauf die anderen, ja ebenfalls starken sozialen Systeme endlich angemessen reagieren würden, gäbe es überhaupt keinen Grund unser Gesellschaftssystem mit dem Begriff &#8220;Kapitalismus&#8221; einzig und alleine über sein Wirtschaftssystem zu definieren! Es gäbe auch keinen Grund mehr von &#8220;Hyperökonomie&#8221; zu sprechen. Du sprichst ja auch nicht von &#8220;Hyperkunst&#8221;, „Hyperwissenschaft“ oder &#8220;Hyperrecht&#8221; &#8211; das wäre nicht weniger abwegig. (Worterfindungsreiche Nachdenker wie Peter Sloterdijk reden schon mal von &#8220;Hyperpolitik&#8221;, meinen damit aber wohl nur die neuen Machtausübungsherausforderungen in der &#8220;postnationalen Konstellation&#8221; (um mit Jürgen Habermas zu sprechen)). Wobei mir freilich einfällt, dass eines deiner Kunstprojekte den Namen „Hyperexhibition“ trägt.</p>
<p>Wenn du meinem Ansatz, die Ökonomie zu bändigen, oder sagen wir also besser (um ihr nicht doch zu sehr Wildheit und Ungeheuerlichkeiten zuzugestehen), wenn du meinen Ansatz, die Ökonomie sinnvoll in die Gesamtgesellschaft zu integrieren nicht für fruchtbar hältst, kann für dich eigentlich nur die Forderung nach einer ANDEREN Ökonomie die Lösung sein. Etwa nach einer &#8220;Freiwirtschaft&#8221; im Sinne Silvio Gesells, in der das Geld mit einem &#8220;negativen Zins&#8221; versehen wird. Die Probleme, auf die man damit reagieren will, sind aber genau die gleichen, die ich letztes mal ansprach. Ob bei Silvio Gesell oder in neuerer Zeit bei Bernard Lietaer mit seiner Forderung nach einer Komplementärwährung: Es läuft auf eine Umlaufsicherung des Geldes hinaus &#8211; auf eine &#8220;Bewahrung&#8221; des &#8220;Tauschcharakters&#8221; des Geldes. So stellt Lietaer zusätzlich zum Anspruch der &#8220;Effizienz&#8221; des Systems den Anspruch nach &#8220;Resilienz&#8221;, für die das System zu sorgen habe. Aber würde dieses herumdoktern an der Wirtschaft nicht bedeuten, die Ökonomie ein Problem lösen lassen zu wollen, das sie selbst gar nicht hat?! Das nur die Menschen bzw. die übrige Gesellschaft mit ihr haben? &#8211; [Du sagst es selbst in deinem vorletzten Beitrag: "Das Problem ist, dass marktwirtschaftliche Mechanismen zu Effizienzsteigerung führen, die innerhalb des Systems als etwas Gutes verbucht wird, außerhalb des Systems aber ganz schädlich sein kann."]</p>
<p>Erstaunt hat mich deine Herleitung der Behauptung, die Besteuerung von Arbeit wirke &#8220;beschleunigend&#8221; auf die &#8220;Akkumulation von Geld und Macht in den Händen weniger&#8221;. Zunächst einmal kann man ja &#8211; im Gegenteil &#8211; angelehnt an wirtschaftsliberale Milchmädchenrechnerei durchaus zugeben, dass sowohl die Besteuerung von Konsum als auch die von Arbeit (bzw. Einkommen durch Arbeit) ent-schleunigend auf die Wirtschaft wirkt. Die Besteuerung von (Einkommen durch) Arbeit kann &#8220;im Kleinen&#8221; zu der unsäglichen (oder nur augenscheinlichen?) Absurdität führen, dass Menschen ihre (Erwerbs-) Arbeit einschränken oder aufgeben, weil es sich für sie nicht rechnet, mehr oder überhaupt für Geld (!) zu &#8220;arbeiten&#8221;. Über diesen Umweg könntest du in der Tat Recht damit haben, dass Arbeit (und das Einkommen daraus) noch schneller dorthin fließt, wo sie &#8220;im Großen&#8221; organisiert ist und mit weniger (aber durchaus gut bezahltem) Personal auskommt. Es  werden also Menschen vom &#8220;Wirtschaftsleben&#8221;, wie du es nennst, ausgeschlossen und eben gar nicht mehr bezahlt. Aber man wird kaum bedauern wollen, dass technischer und organisatorischer Fortschritt menschliche Arbeitskraft einspart! An dieser Stelle muss doch klar werden, dass es geradezu der Sinn von Allem ist, (in deinen Worten:) &#8220;weniger Menschen am“ aktuellen (!) „Wirtschaftsleben zu beteiligen&#8221;! Aber das heißt eben nicht, dass diese Menschen nun nicht mehr nützlich oder nicht mehr erfinderisch sind (wenn man ihnen nicht eben politisch, z. B. also durch Geldentzug (Steuern) oder finanzielles Ausbluten (kein (Grund-) Einkommen) Steine in den Weg legt) &#8211; ob sie damit also einen neuen Weg in bezahlte Arbeit finden (wollen) oder nicht&#8230; Unsere ganzen Probleme rühren von einer Vorstellung einer Welt, die so bleibt, wie sie ist. Es ist die Vorstellung von einer Welt, in der quasi nur begrenzt Platz ist für Ideen und Tätigkeiten, und in der nichts neues entstehen kann, sondern nur um den Platz, der da ist, gekämpft wird. Und ich bemerke diese Weltanschauung versteckt selbst in deinen Gedankengängen.</p>
<p>Auch diesmal sprichst du, wie schon einmal, sehr locker das Thema Staatsverschuldung an. Ich würde hier gerne beantragen, so wie du selbst es bereits für ein anderes Thema beantragt hast, dieses Problem mit äußerster Vorsicht zu beackern! Vor allem wird man abwarten müssen, was vom &#8220;Staat&#8221; in etwas fernerer Zukunft noch übrig bleibt, oder vielmehr: Was der Staat selbst noch an Geldmitteln nötig haben wird. Inwiefern z.B. irgendwelche Einrichtungen sehr wohl „öffentlich“ sein können, ohne im bisherigen Sinne staatlich &#8211; oder eben &#8220;privat&#8221;! &#8211; zu sein. Die Staatsverschuldungen heute sind lediglich das Symptom einer Krankheit (die mit der Eigentumsverteilung zusammenhängt), keinesfalls ihre Ursache. [vgl. dazu: Heinsohn/Steiger: "Eigentum, Zins und Geld" S.247f] Darauf so zu reagieren wie z.B. heute in Deutschland, nämlich Staatsverschuldung gesetzlich eindämmen bzw. verbieten zu wollen, ist natürlich eine typische Kuriosität unserer gegenwärtigen Ordnungsvorstellung. Ein letzter Kniefall des Politiksystems vor dem Wirtschaftssystem – ins Rechtssystem.</p>
<p>Am Begriff der Umverteilung stieß ich mich letztens aus einem einfachen Grund: Er suggeriert, dass bereits VOR der Umverteilung etwas &#8211; mehr oder weniger gerecht! &#8211; verteilt war. Während für meinen Geschmack da noch gar nichts verteilt ist. Bei einem Grundeinkommen würde ich also eher dementsprechend von einer &#8220;Grundverteilung&#8221; sprechen wollen&#8230; &#8211;  Wir produzieren nur Worte. Und ich spalte lieber Haare als die Gesellschaft.</p>
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		<title>Schöne neue Welt durch elegante Umverteilung?</title>
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		<pubDate>Mon, 09 May 2011 15:17:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>joaoflux</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist zunächst eine Umverteilung. Das ist nicht schlimm und spricht nicht gegen das Grundeinkommen. Ganz im Gegenteil: Ohne Umverteilung funktioniert es auch heute nicht und das sollte man anerkennen. In einer Welt in der es faktisch unmöglich ist, autonom, also ohne Teilnahme am Wirtschaftsleben, zu leben, weil die Ökonomie sich die Welt [...]]]></description>
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<p>Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist zunächst eine Umverteilung. Das ist nicht schlimm und spricht nicht gegen das Grundeinkommen. Ganz im Gegenteil: Ohne Umverteilung funktioniert es auch heute nicht und das sollte man anerkennen. In einer Welt in der es faktisch unmöglich ist, autonom, also ohne Teilnahme am Wirtschaftsleben, zu leben, weil die Ökonomie sich die Welt weitgehend angeeignet hat, kann man auch schlecht moralische Argumente finden, die prinzipiell gegen Umverteilung sprechen (Du argumentierst übrigens moralisch für ein Grundeinkommen, obwohl ich weder moralisch noch sonst dagegen argumentiere). Die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens stellt vielmehr die überfällige Anerkennung der Tatsache dar, dass die Verteilung von Gütern und Ressourcen weder natürlich noch gottgegeben ist und eine Umverteilung völlig legitim ist. Ab hier sollte man ganz pragmatisch Vor- und Nachteile erörtern und sich moralische Betrachtungen schenken. Trotzdem muss man das Kind in seiner ökonomischen Bedeutung beim Namen nennen: Umverteilung.<span id="more-124"></span></p>
<p>All das hat nichts damit zu tun, ob es der Sinn von Geld ist, dass es jemandem &#8220;gehört&#8221;, oder welche Funktion Du dem Geld auch immer zuschreiben oder absprechen magst. Das sind letztlich esoterische Kategorien, die zu betrachten man sich schenken kann.</p>
<p>Es besteht die Hoffnung, dass die unbürokratische und elegante Art der Umverteilung, die ein bedingungsloses Grundeinkommen darstellt (ja, Du hast ganz recht mit Deiner Unterstellung, dass ich es für eine elegante Art der Umverteilung halte), mehrere Probleme auf einen Schlag lösen kann und allgemein positiv auf das menschlich Zusammenleben wirkt. Insbesondere kann man sich erhoffen, dass die Akkumulation von Geld und Macht in den Händen Weniger gebremst wird. Das gegenwärtige System wirkt in dieser Hinsicht besonders durch das Besteuern von Arbeit beschleunigend: Wenn Arbeit durch Steuern verteuert wird und gleichzeitig technischer Fortschritt es ermöglicht, immer mehr mit immer weniger (evtl. besser ausgebildeten) Menschen zu leisten, wird der Trend, immer weniger Menschen am Wirtschaftsleben zu beteiligen, verstärkt. Wenn Arbeit (wie in den aktuellen Überlegungen zum bedingungslosen Grundeinkommen) nicht besteuert wird, ist das also sicher günstig.</p>
<p>Das heißt nicht zwangsläufig, dass Geld weniger wichtig sein wird. Es heißt auch nicht, dass weniger Menschen gegen Bezahlung arbeiten werden, noch nicht einmal das weniger Menschen dies im Rahmen einer festen Anstellung tun werden, wenngleich einiges dafür spricht, dass unternehmerische Impulse gestärkt werden. Letzteres kann aber auch wieder feste Beschäftigungsverhältnisse nach sich ziehen, weil es weiterhin Projekte und Unternehmungen geben wird, die nur funktionieren, wenn viele Menschen organisiert zusammenarbeiten. Ob dies tatsächlich weitgehend in der klassischen Form des Unternehmens mit Angestellten oder verstärkt in neuen Formen der Zusammenarbeit passieren wird, lässt sich schwer vorhersagen.</p>
<p>Das ausgezahlte Grundeinkommen wird der Okonomie auch nicht, wie Du behauptest, entzogen. Die Empfänger sind ja frei, es auszugeben, wie sie wollen. Diejenigen, die nichts dazu verdienen (wollen), müssen einen großen Teil dieses Einkommens für ihre Lebenshaltung ausgeben. Was man übrig hat, kann man weiterhin in Spielsachen und Vergnügungen aller Art, aber auch in Aktien und sogar in obskure Finanzprodukte stecken. Wenn Staaten weiterhin schulden machen (z.B. um den Bürgern ein höheres Grundeinkommen zu gewähren, als das nationale Bruttoinlandsprodukt bei der erhobenen Umsatzsteuer hergibt), kann man sogar weiterhin in Staatsanleihen investieren. Durch Finanztransaktionen kann man sicher nach wie vor Wohlstand erzielen. Und es spricht nichts dafür, dass Wohlstand nicht weiterhin erstrebenswert bleibt. Schon deshalb wird es auch in einer Welt mit bedingungslosem Grundeinkommen Leute geben, die es irgendwie schaffen, sehr viel Geld zu akkumulieren, also, wie Du sagst, &#8220;darauf sitzen&#8221; oder damit im großen Stil zocken. Ein Grundeinkommen kann sicher dazu beitragen dass diese Tendenzen etwas abgeschwächt werden. Zwingend ist das aber nicht. (Sicher lässt sich der Effekt durch klassische Maßnahmen wie hohe Erbschafts- und Transaktionssteuern steigern)</p>
<p>Auch die Unabhängigkeit, die das Grundeinkommen ermöglicht, ist in der Praxis begrenzt. Wer mit Lohn plus Grundeinkommen zusammen ein gutes Einkommen erzielt und sich vielleicht verschuldet um ein Haus zu bauen, ist vom Verlust des Arbeitsplatzes auch weiterhin existentiell bedroht oder empfindet das zumindest so. Konjunkturzyklen, die dazu führen, dass es mal leichter und mal schwerer ist, etwas zum Grundeinkommen dazu zu verdienen, wird es ebenfalls weiter geben. Schon angesichts dieser Unsicherheiten werden Leute weiterhin nach der Sicherheit streben, die ein Vermögen vermeintlich bietet.</p>
<p>Ich würde gerne allgemeiner über die Herausforderungen von Hyperökonomie und Turbokommunikation diskutieren, als Haare über die Frage zu spalten, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen nur elegante Verbesserung des Systems darstellt oder tatsächlich den Himmel auf Erden bringt, wie Du anzunehmen scheinst. Auch der tiefere Sinn von Geld ist mir egal. Mich interessiert, wie es funktioniert und wie man es in den Griff bekommt.</p>
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		<title>Bedingungslose Anerkennung</title>
		<link>http://holzfrei.com/2011/04/30/bedingungslose-anerkennung/</link>
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		<pubDate>Sat, 30 Apr 2011 09:48:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>klames</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskussion]]></category>

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		<description><![CDATA[Doch! Geld, das bedingungslos in gleichen Zeitabständen und in gleicher Höhe für alle an jede Einzelperson ausgezahlt wird, wird dem Wirtschaftssystem insofern entzogen, als mit diesem Geld, außer dass es mehr oder weniger sofort ausgegeben wird/ausgegeben werden muss [also, da hast du Recht, etwas mit ihm gekauft wird], nichts mehr geschehen kann, was wirschaftssystemrelevant ist: [...]]]></description>
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<p>Doch! Geld, das bedingungslos in gleichen Zeitabständen und in gleicher Höhe für alle an jede Einzelperson ausgezahlt wird, wird dem Wirtschaftssystem insofern entzogen, als mit diesem Geld, außer dass es mehr oder weniger sofort ausgegeben wird/ausgegeben werden muss [also, da hast du Recht, etwas mit ihm gekauft wird], nichts mehr geschehen kann, was wirschaftssystemrelevant ist: Es ist nicht nur nicht (persönlich!) „erarbeitet“ worden, sondern es wird auch nicht belastet und nicht verpfändet. Kurz: Es taugt weder zur Spekulation noch zur Erpressung.<span id="more-110"></span>Und schon dadurch, dass dieses Geld aus der „Besteuerung“ von Arbeit oder gar konsequent (wie Grundeinkommensbefürworter wie Götz Werner vorschlagen) aus der Besteuerung von Konsum stammt, wird es natürlich der wilden Hatz des Wirtschaftssystems entzogen. &#8211; Solange wir in diesem Punkt nicht übereinkommen, sehe ich nicht, wie wir weiterkommen sollen. &#8211; Natürlich kann einem die Schleife zu Recht paradox vorkommen: Man besteuert Konsum, um allen Menschen Konsum zu ermöglichen. Aber nur diese Schleife kann die Ökonomie bändigen. Durch Besteuerung ist die Welt ja schon längst in eine paradoxe Situation eingetreten: Wenn mit Erwerbsarbeit bereits alles von Menschen für Menschen getan wäre oder getan werden könnte (und genau dies suggeriert die gegenwärtige gesellschaftliche Ordnung, angefeuert von wirtschaftsliberaler Ideologie), bräuchte man diese Arbeit  ja nicht zu besteuern, um mit dem dadurch gewonnenen Geld das Nötige für die Menschen zu tun. Ein bedingungsloses Grundeinkommen bedeutet: Die Menschen voneinander unabhängig zu machen, damit sie füreinander tun können, was sie füreinander tun wollen. (Wenn &#8220;Liberalität&#8221; einen Sinn haben soll, kann er nur darin bestehen.) Dass sie etwas füreinander tun wollen, versteht sich von selbst, weil sie keine Selbstversorger mehr sind und sein können, also etwas füreinander tun müssen. Und je mehr sich dann herausstellen wird, dass Dinge getan werden, ohne dass dafür mit Geld bezahlt wird, desto weniger kann man von &#8220;Ökonomisierung&#8221; sprechen. – Natürlich auch kann man die &#8220;wissenschaftliche&#8221; Weltanschauung vertreten, dass alles, was Menschen füreinander tun, auf Gegenseitigkeit und Tausch beruht (der klassische Text dazu ist &#8220;Die Gabe&#8221; des Soziologen bzw. Ethnologen Marcel Mauss von 1925), und dass der Tausch die Wurzel der Ökonomie ist. Und sie nie eine andere Wurzel gezogen hat. (Und genau das glauben die Ökonomen bis heute.) Und dass insofern durchaus ALLES Ökonomie ist (bis zur &#8220;privaten&#8221; Liebesbekundung etwa, die ein partnerschaftliches Quid pro quo in Gang setzt). Aber eine Welt mit Grundeinkommen wird klar werden lassen, dass nicht nur nicht jeder unbedingt etwas haben will für das, was er tut (außer Anerkennung oder einfach nur Akzeptanz), sondern dass sogar schon unsere moderne Ökonomie längst überhaupt nichts mehr mit Tausch zu tun hatte. An sich ist das nicht weiter schlimm. Im Gegenteil. Denn die Alternative zum Tausch ist heute weniger der Raub im engen Sinne, als vielmehr das Auffinden, Ausnutzen und Ausfüllen von &#8220;Lücken&#8221; (in fast mystischen Worten &#8211; als sei es sozialwissenschaftlich noch nicht präzise fassbar &#8211; beschwor dies der Philosoph Michel Serres 1980 in seinem Buch: &#8220;Der Parasit&#8221;). Und dieses „Ausnutzen“ ist der eigentliche Bringer von Fortschritt und „Mehrwert“, während der Tausch bei seinem bloßen &#8220;hin und her&#8221; überhaupt keine Stoßrichtung und Ausdifferenzierung hervorbringt. Aber dennoch muss man genau deshalb, insofern die Ökonomie heute (zwar effizient ist, aber) gesamtgesellschaftlich (durch Tausch) kein Gleichgewicht mehr hervorbringt (obwohl ihre Nobelpreisträger gerne von den Gleichgewichtszuständen innerhalb der Wirtschaft schwärmen – etwa in der &#8220;Spieltheorie&#8221;), die Menschen vor dieser Ökonomie beschützen &#8211; wie übrigens vor jedem anderen sozialen System, das sich breit machen will: ob das Wissenschaft, Religion, Kunst, Erziehung, Politik oder gar das Recht ist &#8211; denn auch das ist nicht immer &#8220;gerecht&#8221;. Das ist es, was die Menschen vom Logiker Kurt Gödel 1931 gelernt haben &#8211; oder hätten lernen können: Kein System kann sich selbst zu einer widerspruchsfreien Einheit schließen. Die Ökonomie aber bildet sich dies heute von allen sozialen Systemen am meisten ein. Oder vielmehr: alle anderen Systeme, die Politik sowieso, trauen ihr dies zu.</p>
<p>Dein letzter Beitrag machte wie bisher kein anderer klar, was einer deiner entscheidenden Denkfehler in Bezug auf ein Grundeinkommen sein dürfte: Du unterscheidest ein Grundeinkommen zu wenig von bisherigen Formen der &#8220;Umverteilung&#8221;. Oder genauer: Du hältst ein Grundeinkommen offenbar lediglich für eine elegante Form herkömmlicher Umverteilungsmaßnahmen. Tatsächlich ist es viel zutreffender (um mit seiner Perspektive beim Blick auf das Phänomen nicht in der alten Ordnung gerade stecken zu bleiben!), es gar nicht mehr als eine Form der Umverteilung aufzufassen! Der Sinn von Geld für das sogenannte Allgemeinwohl und damit auch für die, die man „die Reichen“ nennt, der Sinn von Geld für die Entwicklung oder einfach die Zukunft, besteht ja nur darin, dass sich damit wirtschaften lässt [Du deutest das in deinem Beitrag „Re: Geld ist nicht alles“ unter Punkt 1 an], sein Sinn besteht nicht darin, dass es jemandem „gehört“ &#8211; der darauf sitzen bleibt. Auch wenn Geld offenbar &#8211; man weiß nicht, wie lange noch &#8211; jemandem gehören muss, damit sich damit wirtschaften lässt. Es ist nicht provokativ oder links oder kommunistisch, sondern ganz logisch festzustellen: Das Geld gehört allen. (Vor allem, weil es allem voran der Lohn VERGANGENER Arbeit ist. Das heißt: vor allem vergangener Generationen.) Ein in seiner Höhe am allgemeinen Wohlstand sich orientierendes Grundeinkommen verhindert einfach nur ein Sitzenbleiben des Geldes bei irgendwem. (Der Unsinn dieses „Festsitzens“ ist übrigens insofern den Ökonomen schon heute klar, als sie das „vererben“ von Eigentum für einen „ökonomischen Skandal“ halten! [vgl. dazu etwa László Mérö, „Die Biologie des Geldes“ S.253, 289ff])  &#8211; Du musst dir klar machen: es ist einfach ein Unterschied, ob jemand ein „Arbeitslosen-  oder Sozialhilfeempfänger“ ist  (den Begriff „Hartz IV“ nehme ich erst gar nicht in den Mund), oder ob er &#8211; wie alle! &#8211; der Bezieher eines Grundeinkommens ist: Es macht einen Unterschied, ob du Geld bekommst, weil du keinen &#8220;Arbeitsplatz&#8221; hast, oder weil du ein Bürger oder gar Mensch bist. Genauso wie es einen Unterschied macht, ob du in einer Wohnung wohnst, die dir gehört oder einem andern. Auch wenn du in beiden Fällen nicht mehr oder weniger tun kannst als darin zu wohnen. Und es macht einen Unterschied, ob ein Bauer sein eigenes Feld bestellt oder das eines andern: seines Feudalherren. Auch wenn sich dies vom &#8220;Arbeitsaufwand&#8221; her zunächst einmal gar nicht unterscheiden mag, so war doch genau diese Unterscheidung seinerzeit die Initialzündung, die die Welt zu dem machte, was sie heute ist! Sie war der Übergang vom Feudalismus zur heutigen Gesellschaftsform. Und genauso macht auch ein Grundeinkommen keinen kleinen Unterschied, sondern einen, der ALLES ändert. (Es ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht, wie Kybernetiker bzw. Systemtheoretiker gerne sagen.) Selbst wenn dieser Unterschied ganz am Anfang überhaupt keine sichtbaren Veränderungen zeigen sollte. (Was vielleicht die freuen wird, die dagegen sind. Wie einst die, die den König behalten wollten.) &#8211; Diesen Punkt sollten wir in Zukunft unbedingt vertiefen &#8211; wenn du da noch mit mir mitkommst.</p>
<p>Genauso sollten wir natürlich den Punkt der &#8220;Aufmerksamkeit&#8221; vertiefen, den du zu Recht wieder einführst &#8211; und zu dem ich selbst vorerst nur das folgende sagen will: In einer Welt, in dem nicht mehr nur Geld („verdientes“ Geld, vielleicht auch nur geerbtes, jedenfalls dein eigenes) deine Bedeutung für andere oder deine Unabhängigkeit von anderen bestimmt, wird der einzelne Mensch zwangsläufig damit zu kämpfen haben, die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen. Und das ist tatsächlich der Aspekt, unter dem in Zukunft das Leben sozusagen härter werden wird. Es wird gewissermaßen zwischenmenschlich härter. Denn es ist nicht nur oft leichter, einen anderen Menschen zu handhaben oder an sich zu binden, der finanziell/materiell/ökonomisch mehr oder weniger von dir abhängig ist, sondern sogar für den solchermaßen simpel Abhängigen ist eine solche Beziehung oft leichter!</p>
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		<title>Bedingungslose Aufmerksamkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 19:43:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>joaoflux</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Geld, das bedingungslos ausgezahlt wird, wird dem Wirtschaftssystem nicht entzogen und Geld wird durch Umverteilung schon gar nicht nicht überflüssiger. Im Gegenteil, wenn die Sache funktioniert, können Menschen, die potentiell von der Partizipation am Wirtschaftssystem weitgehend ausgeschlossen wären, zumindest als Konsumenten stärker mitspielen. Es besteht also die Möglichkeit, dass eine solche Maßnahme dazu führt, dass die [...]]]></description>
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<p>Die Beispiele, die Du anführst, um zu zeigen, dass Menschen auch jenseits der pekuniären Gewinnaussicht zusammenarbeiten und Erstaunliches zustande bringen, taugen nicht als Beleg für oder gegen ein Grundeinkommen. Gerade Open Source Software wird wohl selten von Menschen entwickelt, die auf ein Transferleistungen angewiesen sind. Eher schon relativ gut bezahlten Experten, die bei ihrem Engagement oft Probleme aus ihren Arbeitsumfeld lösen. Darüber hinaus entwickeln auch Firmen Open Source Produkte aus ganz unterschiedlichen Motiven. Das ist ein so weites Feld, dass es mir lieb wäre, es nur mit größter Vorsicht zu beackern.</p>
<p>Die Vorstellung, dass Arbeit in wohlhabenden Ländern nicht mehr stattfindet ist bei allen Verlagerungstendenzen abwegig. Allenfalls die Art der Arbeit ändert sich für alle Beteiligten in armen und reichen Ländern im globalen Wirtschaftszirkus. Natürlich besteht dabei eine erhebliche Gefahr, dass Individuen oder auch ganze Gesellschaften aus dem Globalen Wirtschaftsspiel herausfallen (Wenn man naiv und zynisch zugleich ist, kann man das als eine Chance für den befreienden Zusammenbruch begreifen). Das Problem ist, dass marktwirtschaftliche Mechanismen zu Effizienzsteigerung führen, die innerhalb des Systems als etwas Gutes verbucht wird, außerhalb des Systems aber ganz schädlich sein kann. Beispiele hierfür wären überproportionale Umweltschäden aber eben auch, dass immer weniger Menschen mit einbezogen werden (das Spielvolumen kann bei sinkender Teilnehmerzahl wachsen). Das bedingungslose Grundeinkommen kann letzterem entgegenwirken und wie jede Art von Sozialleistung die  exklusive Effizienzsteigerung verlangsamen. Auf diese Weise gekühlt funktioniert die ganze Sache wahrscheinlich länger, als wenn immer schneller immer mehr Menschen herausgeworfen werden (Ich glaube, so hat sich das schon Bismarck bei seiner Sozialgesetzgebung gedacht).</p>
<p>Was die Menschen, die aus Sicht des Wirtschaftssystems als einzige Aufgabe den Konsum zugedacht bekommen mit ihrer dann vielleicht weniger knappen Zeit anstellen, ist eine andere Frage. Zum Glück kann ja das Konsummieren selbst auch bei geringem Transaktionsvolumina schon sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und entsprechend erfüllend sein. Wem dieses Glück nicht reicht, der kann sich natürlich der nichtkommerziellen Kulturproduktion widmen, was auf den ersten Blick eine schöne Aussicht ist. Bei einem wachsenden Angebot an Kulturerzeugnissen wird natürlich Aufmerksamkeit das immer knappere Gut–und Aufmerksamkeit lässt sich leider nicht systematisch als soziale Transferleistung verteilen. Persönlich habe ich schon die ein oder andere Ausstellung oder auch mal ein Konzert besucht, um den Protagonisten die Konfrontation mit dem Desinteresse an ihrer Arbeit zu ersparen. Aber ein ganzes System will man weder auf Aufmerksamkeits- noch, wie jüngst von Peter Sloterdijk gefordert, pekuniäre Almosen stützen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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