Principia Oeconomica – Über logische und finanzielle Krisen

“Eine Gesellschaft [...] darf ihre höchsten Werte nicht
zu hoch versichern, wie es die französische Aristokratie
getan hatte, als sie sich um die Person des Königs
sammelte. Damit begab sie sich der Möglichkeit, ihre
eigenen Überzeugungen und Werte im eigenen Tun
lebendig zu erhalten und zu erneuern. Es war aber auch
ein Beispiel dafür, wie klein der Schritt vom Erhabenen
zum Lächerlichen ist.”

(Henning Ritter im Nachwort zu “Meine
Gedanken” von Montesquieu)

Bei der Durchsicht der unteren Beiträge fiel mir ein Abschnitt in einem frühen Beitrag von Joaoflux auf ["Raus aus dem Urwald (zurück ins Basislager)" vom 30. März 2011]: “Unter Arbeit versteht man gemeinhin eine Tätigkeiten, die von Nutzen ist und für die eine Bezahlung erfolgt. Der Nutzen kann dabei sehr unmittelbar sein (z.B. in der Landwirtschaft oder in der Krankenpflege) oder eher indirekt (z.B. im Administrativen Bereich oder in der Finanzwirtschaft). Im zweiten Fall liegt der Nutzen oft ausschließlich in der Akkumulation von Geld, d.h. der Nutzen ist eine reine Transaktion, die nur einen Sinn innerhalb des Systems der Geldwirtschaft hat.” Da hätte man frühzeitig einhaken müssen. Die Worte laufen auf eine (klare) Unterscheidung von sogenannter “Realwirtschaft” einerseits und „Geldwirtschaft“ andererseits hinaus. Diese Unterscheidung wurde erst später im Blog ausdrücklich zum Thema, aber wahrscheinlich bis heute nicht ausdrücklich genug. Das Sehen bzw. Voraussetzen einer (relativ) klaren Grenze zwischen beiden ist in meinen Augen eine Täuschung, und das könnte der theoretische Grund für die augenscheinliche Unvereinbarkeit zwischen meinen Beiträgen und denen von Joaoflux sein.

Es ist hundert Jahre her, dass Betrand Russell und Alfred North Whitehead ein logisch-mathematisches Werk verfassten, das sie “Principia Mathematica” nannten. Es erwuchs als Antwort auf ein Problem, dass Russel einige Jahre zuvor erkannt hatte. Dieses Problem ist als “Russelsche Antinomie” oder “Russelsches Paradox” in die Wissenschaftsgeschichte eingegangen. Mit der Entdeckung dieser Paradoxie stürzte Russel nicht nur seinen Kollegen Gottlob Frege in eine tiefe Krise (weil der seine “Grundgesetze der Arithmetik” mit einem Schlag über den Haufen geworfen sah), sondern die gesamte Wissenschaft der Logik. Das Problem ist letztlich bis heute nicht geklärt. Um es an dieser Stelle trotzdem mit einem Wort abzukürzen: Es geht um Selbstbezüglichkeit. (Eines der simpelsten Beispiele für das Dilemma der Selbstbezüglichkeit, ist die Aussage: “Dieser Satz ist unwahr.” Ist er also unwahr, so ist er wahr. Ist er wahr, so ist er unwahr…) Um das Problem in den Griff zu bekommen, taten Russel und Whitehead nun etwas sehr brauchbares, aber nichts desto trotz zweifelhaftes: Sie entwickelten die sogenannte Typentheorie und gingen im folgenden von logischen Hierarchien aus. (Später trat etwa der Logiker George Spencer Brown auf den Plan, der ein Kalkül entwickelte, dass diese Hierarchien überflüssig machte.) Eine logische Hierarchie unterscheidet Aussagen, die sich auf eine Klasse (Menge) beziehen, von Aussagen, die sich auf die Elemente der Klasse beziehen. Entsprechend müssen z.B. (sprachliche) Aussagen über “Objekte” von (sprachlichen) Aussagen über die Sprache unterschieden werden. Die “Existenz” unterschiedlicher “logischer Typen” war behauptet und in die Welt gekommen, auch wenn diese nichts weiter waren als das Ergebnis einer Beobachtung der Welt, also einer mutwilligen Unterscheidung, eine Konstruktion des Geistes.

In genau diesem Geiste sprechen heute die Ökonomen, die ersten Beobachter der Wirtschaft, von “Markttypen” und nehmen, ihrer Beobachtung entsprechend, eine Unterscheidung vor: Wo sich das Geld auf sich selbst bezieht, sprechen sie vom “Geldmarkt” bzw. “Finanzmarkt” oder “Vermögensmärkten” und unterscheiden diese Sphäre vom “Gütermarkt”. Die Unterscheidung wird auch von den Beobachtern der Beobachter gerne genommen. Sie ist zum Allgemeingut geworden. Und selbst wer meint, angesichts der sich auftuenden Probleme kritisch sein zu müssen, geht allzu gerne von dieser Unterscheidung aus. Sogleich wird dann das Problem von allem (und der einzige Ansatzpunkt für Veränderungen) im Finanzmarkt und seinen Abläufen gesehen. So spricht in diesem Blog Joaoflux von “Hyperökonomie”, “Turbokommunikation” oder [in einem Kommentar vom 17. Juli 2001] von “Hochgeschwindigkeitskommunikation” durch die “Reibungsverlust bei (spekulativen) Transaktionen gegen Null” gehen würden und letztlich “die Realwirtschaft an Bedeutung verliert und zu einer Nussschale auf dem Ozean riesiger Finanzbewegungen” werde. Ich behaupte dagegen, dass wer eine klare Unterscheidung von “Geldmarkt” und “Gütermarkt” mitgeht, gegenüber unserer gegenwärtigen Ökonomie überhaupt nicht mehr kritisch sein KANN, weil er die Probleme in ihrem Zusammenhang gar nicht erkennt:

In unserem gegenwärtigen Wirtschaftssystem [vgl. dazu auch meinen Beitrag: "Redliche Antworten auf brave Fragen" vom 6. August 2011] ist Produktion immer auch Produktion von Geld. Und das ist wörtlich zu verstehen. Gemeint ist nicht, dass da jemand für Güter – für seine Produktion (oder Dienstleistung) – Geld bekommt, sondern gemeint ist, dass er dadurch, dass er für seine Arbeit Geld erhält, Geld entstehen lässt! Und das nicht, weil das Geld sich im Augenblick der Zahlung zauberhaft materialisiert oder kurz vorher schnell gedruckt wird, sondern weil es ohne einen Arbeitsvertrag gar nicht gezahlt würde, und es zu einem Arbeitsvertrag gar nicht gekommen wäre, wenn nicht für den Arbeitgeber Profit in Sicht wäre, der durch die Arbeit gewonnen wird. Dieser Profit ist die Akkumulation. Und er ist eine Notwendigkeit, wenn durch die Produktion die Tilgung von Schulden (auf Produktionsmittel bzw. Realkapital) samt Zinsen erwirtschaftet werden muss. Geld wurde aber genau deshalb emittiert, weil Schuldkontrakte Notenbanken den Beweis lieferten, dass da etwas in der Welt erwirtschaftet wird – weil es aufgrund von Schulden erwirtschaftet werden muss. Aus welcher Willkür heraus Geld auch immer sonst emittiert werden mag: der Zwang zum Wirtschaften, das heißt zur Tilgung einer Schuld samt Zinsen, erzwingt letztlich auch das emittieren von Geld.

Freilich hat Joaoflux im Eingangszitat auch nicht behauptet, dass innerhalb der Gütersphäre der Wirtschaft kein Geld akkumuliert werde. Aber er behauptet oder suggeriert immer wieder, dass es zu Akkumulation von Geld vor allen Dingen durch spekulative Finanztransaktionen komme. Ja er behauptet: daraus, “dass im Zeitalter globaler Hochgeschwindigkeitskommunikation, der Reibungsverlust bei (spekulativen) Transaktionen gegen Null” gehe, FOLGE, “dass das Volumen solcher Transaktionen sowie die Möglichkeit damit Geld zu verdienen extrem” wachse… – Abgesehen davon, dass sich die bislang größte Weltwirtschaftskrise 1929 ereignet hat, als von “Hochgeschwindigkeitskommunikation” noch nicht so sehr die Rede sein konnte (und als es auch noch keine Computer gab, die automatisch Spekulationsprozesse durchführen konnten), und abgesehen davon, dass es in der Natur der Sache liegt, dass die Überweisung von Geld stets schneller (“reibungsloser”) vonstatten geht, als z.B. ein Fahrzeug zu bauen oder Getreide anzubauen, zu sähen und zu ernten… – einmal ganz abgesehen davon stellt sich bei Joaoflux’s Behauptung die Frage, warum überhaupt noch jemand seine Zeit mit sozusagen redlicher Arbeit verbringt. Warum versucht nicht gleich jeder sein Geld mit Verleihen oder Verschieben von Geld zu verdienen? Man mag darauf antworten: Der Lohnarbeiter habe eben nicht genug “Startkapital”, um ins Finanzgeschäft einzusteigen. Aber warum verkauft nicht jeder Großunternehmer, statt zu investieren, all sein Zeug, um fortan am Finanzmarkt den großen Reibach zu machen? Weil die Möglichkeit, mit Finanztransaktionen Geld zu verdienen, keineswegs so extrem groß ist. Das immense Volumen auf den Finanzmärkten nämlich tut dabei gar nichts zur Sache. Man könnte nämlich das Problem auch beschreiben, indem man sagt: Der “Arbeitsmarkt” im Finanzsektor – also auf dem Finanzmarkt – ist lediglich extrem klein… Dass nun für ein paar wenige die Möglichkeit, hier Geld zu verdienen, extrem groß ist, kann als Kritik nichts mehr bedeuten: Innerhalb des Gesamtsystems Wirtschaft tun auch sie eine Arbeit, die sich aus eben diesem System ergibt. Dass, wenn man “Arbeit” allgemein besteuert, auch diese Arbeit angemessen besteuert werden müsse (Finanztransaktionssteuern etc.), erscheint denn für viele als der einfache oder erste oder einzige Ausweg. Schön. Aber könnte das also die Lösung des Problems sein? Versichert sich auf dem Finanzmarkt nicht nur die Geldwirtschaft ihrer selbst (indem sie sich auf sich selbst bezieht)? Ändert eine Besteuerung von Arbeit oder Finanztransaktionen etwas daran, dass sich das Wirtschaften mit Geld und Eigentum versichern kann – und will – bis zum Kollaps?

Wie kommt ein Mensch legal an gefühlsmäßig “ordentlich” Geld heran (- vom Erben und Glücksspiel einmal abgesehen). Letztlich auf dreierlei Art [vgl. dazu auch meinen Beitrag: "Redliche Antworten auf brave Fragen" vom 6. August 2011]: 1. Man “arbeitet” fleißig und viel, nachdem man jemanden gefunden hat, der einen dafür “ordentlich” bezahlt. 2. Man leiht sich Geld aus und produziert mit dessen Hilfe und der Hilfe von damit bezahlbaren Lohnarbeitern Güter (oder Dienstleistungen), für die man mehr Geld bekommt als zur Tilgung der Schuld (samt Zinsen) nötig ist. Oder 3. Man verleiht Geld für Zins (oder verschiebt das Geld) und profitiert von dem, was andere mit diesem Geld an Geld erwirtschaften konnten. – Das ist ein geschlossenes System und ein Kreislauf (innerhalb dessen alles “Arbeit” genannt werden kann). Und man kann da überall Stellen finden, wo man besteuert. Und natürlich kann man mit der Entscheidung darüber, an welchen Stellen man (wie hoch) besteuert, auch Einfluss darauf nehmen, wie sich Menschen behandelt fühlen von all den anderen, die mit im Kreis tanzen. Am Tanz um das goldene Kalb (Eigentum und Geld) ändert das aber nichts. Und die Frage ist dann immer noch, was man mit den Steuergeldern – wo auch immer sie herkommen – macht. Wer bekommt es – das Geld? Wem gibt man es in die Hand?

Das Problem an der Sache ist, dass es Unsinn ist, nach einem Schuldigen zu suchen. (Nur nebenbei: Betrogen wird überall, wo betrogen werden kann. Und überall kann betrogen werden. Faule Kredite oder betrügerische “Finanzprodukte” auf den Finanzmärkten sind also natürlich auch nicht der Kern des Problems. Das Problem ist, dass wir heute auch dann ein Problem hätten, wenn nirgendwo betrogen würde.) Genauso, wie man sagen kann, dass das Problem sei, dass am Finanzmarkt auf Teufel komm raus spekuliert werde, kann man auch sagen, dass das Problem darin bestehe, dass eben auch der Krankenpfleger für seine Arbeit noch Geld bekommt – ein Problem nicht deswegen, weil es ohnehin immer viel zu wenig ist, was er bekommt, wenn er seine Arbeit gut macht. Sondern weil auch er, wie jeder Erwerbstätige, durch sein Verdienst (von Geld) das Wirtschaftssystem in Betrieb hält, indem er sich Eigentum verschafft. Und weil das System immer weiter in Betrieb gehalten wird, je mehr Tätigkeiten durch Geld in einen scheinbaren (!) Austauschprozess hineingeraten, den wir unsere Wirtschaft nennen.

Und vor genau diesem Hintergrund ist die Befürwortung eines bedingungslosen Grundeinkommens zu verstehen (dessen Höhe freilich ein entscheidender demokratischer Verhandlungspunkt wäre und wohl stets bleiben würde, solange man mit diesem Instrument politisch operiert). Anders als Joaoflux meine Aussagen permanent zu werten versucht (“moralisch, psychologisch, esoterisch, romantisch, missionarisch…”), versuche ich seit Anfang an nichts anderes, als ein Bild des monetären Wirtschaftens frei von den gegenwärtigen monetären Vorurteilen zu entwerfen, und daraus das Grundeinkommen als für die Gesamtgesellschaft logisch abzuleiten. (Dass ich dabei in Konflikt gerate mit der Moral und Psyche der Menschen in einer Kultur, die die Entkopplung von “Arbeit” und Einkommen noch nicht bewusst vorgenommen hat, ist unvermeidbar. Das heißt aber nicht, dass ich selbst moralisch oder psychologisch argumentiere oder werte.) Anders als Joaoflux ganz offenbar vermutet, würde ich nicht einmal wagen zu behaupten, dass ein Grundeinkommen die Welt verbessert. Ich behaupten nur, dass durch ein Grundeinkommen an vielen Stellen überhaupt erst die Chance zu einer Verbesserung entstünde. Die beginnende Entkopplung von Arbeit und Einkommen ist an vielen Stellen die unbedingte Voraussetzung für Verbesserungen. Während in einer Ordnung, die hauptsächlich damit beschäftigt ist, sich ihrer selbst zu versichern und sich damit selbstorganisatorisch zu desorganisieren (und dafür Personal zu rekrutieren), nur sehr bedingt Raum und Zeit für Verbesserungen ist. Übrigens bin ich schon insofern nicht missionarisch zu Gange, als meine Beträge keineswegs als ein sozusagen politischer Kampf für ein Grundeinkommen zu missverstehen sind. Ich weiß vielmehr, dass es früher oder später kommen wird und betrachte meine Texte sozusagen als eine geistige Vorbereitung darauf.

Falls das oben gezeichnete Bild der gegenwärtigen Ökonomie zutreffend ist, ist durchaus anzunehmen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen durchgreift auf das gesamte Konzept des Arbeitens und Wirtschaftens in unserer Kultur. Denn was sonst sollte dieser monetären Ökonomie also Einhalt gebieten, wenn nicht die beginnende Entkopplung von “Arbeit” und Einkommen? Es kann nur darum gehen, auch in der Öffentlichkeit, im großen Zusammenhang, eine Situation herzustellen, die Arbeit nicht lediglich als einen in jedem Augenblick durch Geld zu überwachenden und zu erzwingenden Austauschprozess versteht, während sie in Wahrheit heute also ein reiner Akkumulations- und Verschuldungsprozess ist, auf diesem Weg freilich auch schnellen technischen Fortschritt durch Rationalisierung hervorbringt, aber genauso auch Verarmung und Ungleichheit in hohem Maße. Auf privater Ebene würde zwischen Menschen gar nichts gehen, wenn Menschen dort auf eine solche Art und Weise vorgehen wollten. Gelänge auf gesamtgesellschaftlicher Ebene nicht ebenfalls etwas anderes, würde sich Wohlstand und technischer Fortschritt in Zukunft immer nur weiter in Konsum und steigenden Vermögen (und deren unendlichen Versicherungen) auszahlen. Mit kultureller Höherentwicklung hätte das nichts zu tun. Ein einmal erreichtes kulturelles Niveau und eine rechtlich gesicherte gesellschaftliche Ordnung laufen im Laufe der Zeit immer wieder leer, sie verselbständigen sich zu Unsinn, wenn nicht an das – und jedes – Individuum zurückgegeben wird, was das Kollektiv kulturell erreicht hat. Wenn nicht dem Einzelnen die maximal mögliche Freiheit zurückgegeben wird, wird Kultur barbarisch und ist dann wieder genauso gefährlich wie eine Wildnis ohne alle Gesetze. – Um dies zu verstehen, muss man etwa nur den guten bösen Marquis de Sade verstehen, wenn er sagt: “Die Leidenschaften meines Nächsten sind unendlich viel weniger zu fürchten als die Ungerechtigkeit des Gesetzes, denn die Leidenschaften dieses Nächsten werden von den meinigen in ihre Schranken verwiesen, aber nichts hemmt den ungerechten Lauf des Gesetzes oder gebietet ihm Einhalt!” [zitiert nach Gilles Deleuze: "Sacher-Masoch und der Masochismus"]

Krisen bedeuten Angst vor Freiheit – meiner Freiheit und die der andern. Man begegnet ihr mit Hierarchien. Oder auch mit Wachstum. Wachstum bedeutet, dass immer mehr über Schulden erwirtschaftet bzw. ge-wirtschaftet wird. Und Schulden binden die Menschen aneinander. [Darauf, dass Geld die Menschen bindet wies ganz richtig Joaoflux in seinem frühen Beitrag "Re: Geld ist nicht alles" hin.] Schulden bedrücken, aber sie machen keine Angst. Weniger zumindest als Freiheit. Und ohnehin, wenn man die Schulden abwälzt (z.B. auf den Staat). Freiheit macht Angst. Und dem zieht man selbst Schulden vor – und Hierarchien.

Öffentliche Faulheit und privater Aktivismus

Ja, man kann ausgesprochen viel über die Mentalität eines Menschen erfahren, wenn man seine gefühlsmäßige Reaktion auf die Idee des “bedingungslosen Grundeinkommens” beobachtet. Und es ist sicher auch richtig, dass es die widerstrebenden Gefühle eines offenbar gesunden Menschenverstandes sind, die der Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens vor allem im Wege stehen. weiterlesen

Zum Wesen der Grundeinkommensdebatte

Auf Zeit-online ist gerade ein lesenswerter Beitrag zum Grundeinkommen erschienen mit einer konstruktiven, umfangreichen Forumsdebatte: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2011/08/16/ein-bedingungsloses-grundeinkommen-fur-alle_3433

Wichtig an den Forumsbeiträgen sind mir vor allem die mentalen Muster, die in der Auseinandersetzung mit dem Thema durchscheinen. Ich glaube, diese Muster sind viel bedeutsamer als die institutionelle Umsetzung selbst, wenn es um die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens geht. Der Dreh- und Angelpunkt ist erstens das weiterlesen

Eine Erde und eine Atmosphäre

Keiner hier hat je bestritten, dass sich “das Grundeinkommen nur unter den Bedingungen des vorhandenen Geldsystems einführen” lässt. Im Gegenteil. Dieses System wird funktionell auch noch das gleiche bleiben, wenn es zur Einführung des Grundeinkommens schließlich gekommen ist. Das ist ja gerade der Witz! Was mit dem Grundeinkommen verändert wird, ist lediglich die UMWELT (die Rahmenbedingungen) dieses Systems! Und auf die veränderten Umweltbedingungen muss dieses System dann eben reagieren. Und daraus ergeben sich die Antworten auf die gestellten Fragen nach den ÖKONOMISCHEN Folgen eines Grundeinkommens: Dann muss z. B. bislang “unterbezahlte” Arbeit schließlich doch angemessen bezahlt werden, damit sie getan wird. weiterlesen

Drei Verhakungen und drei Sphären

Ist hier drin, was draufsteht? Zunächst möchte ich feststellen, dass der Titel dieses Blogs, Überlegungen zur postrealen Ökonomie, Unsinn ist: Weder verweist dieser Begriff auf eine Debatte, noch lässt er sich semantisch erschließen, denn was auch immer eines Tages sein wird, es wird unentrinnbar Realität sein. Oder besteht der Sinn darin, den Realitätsbezug erklärtermaßen hinter sich zu lassen? weiterlesen

Alte Welt ade!

Im Gegenteil! Ich habe bereits eigens betont, dass ich die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht für die (Wieder-) Einführung des Paradieses halte. Aber ich finde, es ist wieder mal an der Zeit, dass die Menschheit einen Sprung macht, um dann frucht- und nutzbaren Problemen gegenüberzustehen, statt sich das Leben selber schwer zu machen. Eine Welt mit Grundeinkommen wird Probleme machen, die wir uns heute nicht träumen lassen (so ist es immer vor bzw. nach Paradigmenwechseln), aber so gut wie kein einziges von den Problemen, die Kritiker heute so selbstbewusst befürchten. – Was soll’s… Die Menschen haben sich seit Generationen daran gewöhnt, das Vorhandensein von Eigentum zu akzeptieren, und gleichzeitig Abgaben zu machen und Steuern zu zahlen. Und nun werden sie sich auch daran gewöhnen, Geld zu bekommen, ohne so genau zu wissen, wofür. weiterlesen

Schöne neue Welt durch elegante Umverteilung?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist zunächst eine Umverteilung. Das ist nicht schlimm und spricht nicht gegen das Grundeinkommen. Ganz im Gegenteil: Ohne Umverteilung funktioniert es auch heute nicht und das sollte man anerkennen. In einer Welt in der es faktisch unmöglich ist, autonom, also ohne Teilnahme am Wirtschaftsleben, zu leben, weil die Ökonomie sich die Welt weitgehend angeeignet hat, kann man auch schlecht moralische Argumente finden, die prinzipiell gegen Umverteilung sprechen (Du argumentierst übrigens moralisch für ein Grundeinkommen, obwohl ich weder moralisch noch sonst dagegen argumentiere). Die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens stellt vielmehr die überfällige Anerkennung der Tatsache dar, dass die Verteilung von Gütern und Ressourcen weder natürlich noch gottgegeben ist und eine Umverteilung völlig legitim ist. Ab hier sollte man ganz pragmatisch Vor- und Nachteile erörtern und sich moralische Betrachtungen schenken. Trotzdem muss man das Kind in seiner ökonomischen Bedeutung beim Namen nennen: Umverteilung. weiterlesen

Bedingungslose Anerkennung

Doch! Geld, das bedingungslos in gleichen Zeitabständen und in gleicher Höhe für alle an jede Einzelperson ausgezahlt wird, wird dem Wirtschaftssystem insofern entzogen, als mit diesem Geld, außer dass es mehr oder weniger sofort ausgegeben wird/ausgegeben werden muss [also, da hast du Recht, etwas mit ihm gekauft wird], nichts mehr geschehen kann, was wirschaftssystemrelevant ist: Es ist nicht nur nicht (persönlich!) „erarbeitet“ worden, sondern es wird auch nicht belastet und nicht verpfändet. Kurz: Es taugt weder zur Spekulation noch zur Erpressung. weiterlesen

Bedingungslose Aufmerksamkeit

Geld, das bedingungslos ausgezahlt wird, wird dem Wirtschaftssystem nicht entzogen und Geld wird durch Umverteilung schon gar nicht nicht überflüssiger. Im Gegenteil, wenn die Sache funktioniert, können Menschen, die potentiell von der Partizipation am Wirtschaftssystem weitgehend ausgeschlossen wären, zumindest als Konsumenten stärker mitspielen. Es besteht also die Möglichkeit, dass eine solche Maßnahme dazu führt, dass die Ökonomisierung des Lebens sogar zunimmt. weiterlesen