Redliche Antworten auf brave Fragen (Zu einem Kommentar von Joaoflux)

Was hat ein bedingungsloses Grundeinkommen mit dem Wachstumsdiktat unseres Wirtschaftssystems zu tun?

Das Diktat und der Zwang zum Wachstum ist die Folge der Eigentumsverfassung unserer Wirtschaft. [Ausgearbeitet haben dies Gunnar Heinsohn und Otto Steiger in ihrer Eigentumstheorie von Zins und Geld, von der ich im folgenden ausgehe, aber auch abweiche.] Um überhaupt an dieser Wirtschaft teilhaben zu können, muss man Eigentümer sein. Eigentum erlaubt es, es (als Gläubiger) belasten und (als Schuldner) verpfänden zu können. (Eigenes) Eigentum ist also nicht nur notwendig, um vorübergehend auf das eigene Anrecht darauf zu verzichten und “spekulieren” (Geld anlegen bzw. gewinnbringend verleihen und Zinsen erhalten) zu können, also zu entscheiden, wer damit was unternehmen darf, sondern Eigentum ist genauso auch notwendig, um Schulden machen zu können, weil man als Schuldner mit seinem Eigentum haftet, also dem Gläubiger Sicherheit bietet. Aus Sorge um sein (eigenes) Eigentum, wird der Eigentümer in die Ökonomie gezwungen. Unternehmer sind dabei Schuldner. Entgegen einer entspannten Vorstellung davon, was der Markt ist, kann also formuliert werden: “Der Markt ist KEIN TAUSCHPLATZ FÜR ANGEBOT UND NACHFRAGE von GÜTERMENGEN, sondern die Institution, in der Schuldner sich die Mittel zu beschaffen trachten, in denen sie ihre Zins- und Tilgungspflichten vereinbart haben.” [Heinsohn/Steiger "Eigentum, Zins und Geld" S.325, GROßschreibungen von mir] Bei genauem Hinsehen hebt das denn auch sehr schnell die klare Vorstellung auf, die man gemeinhin vom Unterschied zwischen “güterbasierter Realwirtschaft” und “spekulativer Geldwirtschaft” hat. Denn unsere Ökonomie hat prinzipiell mit Gütern von vorn herein gar nichts mehr am Hut. Vielmehr wird ein Unternehmer in die Produktion gezwungen, um “am Ende” seine Schulden bezahlen zu können. [Das ist übrigens auch für mich der Grund, warum der zweite Teil des Titels dieses Blogs ("postreale Ökonomie"), den "Stv. Hausmeister" letztens kritisiert hat, durchaus gerechtfertigt ist, wenn jene Wortschöpfung auch nicht von mir stammt, sondern von "Joaoflux"]

Auf dem Markt muss dieser Unternehmer nun gegenüber anderen verschuldeten Eigentümern bestehen. Um dies sicher zu stellen, muss seine Produktion möglichst effizient sein. An dieser Stelle kommen die Lohnarbeiter ins Spiel, deren Löhne möglichst gering sein müssen, um die Schulden des Unternehmens möglichst gering zu halten. Bei Heinsohn/Steiger scheinen in einer „Eigentumsgesellschaft“ alle Menschen Eigentümer zu sein, insofern es in ihr keine Sklaverei gibt [siehe etwa: Heinsohn/Steiger: "Eigentum, Zins und Geld" S. 384]; aber es stellt sich die Frage, ob im Modell der “Eigentumsgesellschaft” Lohnarbeiter nicht vielmehr als Nichteigentümer bzw. Eigentumslose gesetzt werden müssen. Denn das pure “Eigentum an sich selbst” (Heinsohn/Steiger) ist selbstverständlich nicht belast- oder verpfändbar. Idealiter mögen alle Menschen Eigentümer sein. (Theoretisch ist auch die Null eine Zahl.) Aber ein Mensch IST kein Eigentümer, wenn er es erst WIRD dadurch, dass er für Geld arbeitet. Und wenn sich die Höhe des Lohns am ökonomischen Eigentums- und Schuldenzwang bemisst, kann auch die “Bereitschaft”, für Geld zu arbeiten, nichts anderes sein als eben dieser ökonomische Zwang. Und genau an dieser (“realwirtschaftlichen”) Stelle unterbricht ein Grundeinkommen den Kreislauf des ökonomischen Zwanges.

Spekulant – Unternehmer – Lohnarbeiter: Der ökonomische Zwang ist grundsätzlich für jeden der gleiche (und übrigens ist in der Praxis natürlich kein Individuum an nur eine dieser Kategorien gebunden): Er erwächst aus dem Zwang zum Eigentum und dem Zwang zum Schutz des Eigentums, wobei Schulden Wachstum erforderlich machen, damit sie getilgt und Zinsen bezahlt werden können. 1. Spekulant (Gläubigereigentümer) – 2. Unternehmer (Schuldnereigentümer) – 3. Lohnarbeiter (Nichteigentümer). Ein (mehr oder weniger hohes) Grundeinkommen bringt jeden Menschen (mehr oder weniger) in die Lage, ein Unternehmer sein zu können (und vielleicht sogar zu müssen). Es geht beim Grundeinkommen sozusagen um die politische Festlegung einer ökonomischen Mitte. Und dies ist eine unternehmerische Mitte. (Damit wird auch der Sinn der Rede von einem quasi neuen Unternehmertum, etwa vom “Unternehmer in eigener Sache” weiter ins Licht gerückt, von dem der Unternehmer und Grundeinkommensaktivist Götz Werner im Zusammenhang mit dem Grundeinkommen gerne spricht. [siehe z.B. Götz Werner: "Einkommen für alle" S.78]) Ein Unternehmer in einer Welt mit Grundeinkommen kann dabei ein Unternehmer sein, der nicht nur unter dem Druck tätig ist, Schulden erwirtschaften zu müssen, also nur im wahrsten Sinne des Wortes um jeden Preis seinen Kopf aus der Schuldenschlinge ziehen zu müssen, sondern vor allem einen (seinen) Beitrag für die Gesellschaft leisten kann. Und ein solcher Beitrag ist ja der eigentliche Sinn eines jeden Unternehmens, eines jeden Tätigwerdens… Und eben nicht, dass nur permanent Zinsen und Tilgung von Schulden erwirtschaftet werden müssen. – Was wir ökonomisch hinter uns gelassen haben ist der Tausch, was vor uns liegt ist das Beitragen. Dazwischen liegt der Schuldenzwang.

Wenn Menschen aufgrund des Grundeinkommens aus der Arbeit für Geld aussteigen sollten, so ist das nicht schlimm, sondern genau das gehört dann zum Konzept dazu und steht keineswegs dazu im Widerspruch. Auch die sich epidemisch immer weiter ausbreitende Erwerbsarbeit gehört ja zum paradoxen Diktat des gegenwärtigen Systems (paradox deshalb, weil es parallel dazu permanent Erwerbsarbeitsplätze durch Rationalisierung aussortiert). Nicht für Geld (Bezahlung) tätig zu sein, ist in der Geschichte der Menschheit weit sicherer erprobt und bewährt als die geschichtlich neue Erwerbsarbeit. Auch insofern ist nicht die Einführung des Grundeinkommens eine gefährliche Neuerung oder das größere Risiko, sondern so weiter zu machen wie in den letzten Jahrzehnten. Dass ein Ökonom (den man natürlich gerne Fragen würde; denn die Ausgangsfrage will ja eine rein ökonomische Frage sein) heute niemals auf die Idee des Grundeinkommens kommen wird, liegt in der Natur seines Faches. Da geht es nur um Zahlungen oder Tausch. Also kann der Ökonom vielleicht noch auf die Idee zu Konzepten einer “Komplementärwährung” (wie z.B. Bernard Lietaer) kommen, um damit vom Schuldenbasierten wirtschaften wegzukommen und für das Geld einen Tauschcharakter zurückzugewinnen, aber er wird niemals ein Grundeinkommen denken können. Das geht ihn schlicht nichts an. Es interessiert ihn nicht als Ökonom. Es sind auch wohl eher Soziologen als Ökonomen, die die grundlegende Bedeutung des Eigentums für die Wirtschaft bemerken. Denn einem Ökonomen ist der Mensch als Eigentümer egal. Oder genauer: Ihm ist es egal, ob ein Mensch ein Eigentümer ist oder nicht. Ihm geht es nur um die Wirtschaft: um Zahlungen oder Tausch. Zwar ist auch einem Soziologen wie etwa Niklas Luhmann der Mensch ganz allgemein für seine Theorie erklärtermaßen egal (weil der Mensch – als psychisches System – systemtheoretisch zur Umwelt der Gesellschaft gehört; die Gesellschaft besteht nicht aus psychischen Systemen, sondern aus sozialen Systemen), aber ein Soziologe hat, wenn auch nicht den Menschen, so doch außer dem Wirtschaftssystem noch andere soziale Systeme im Blick. Und so kann er erkennen, wann ein System – wie das Wirtschaftssystem – andere Systeme gleichsam okkupiert und Zahlungen plötzlich an Stellen und für Tätigkeiten stattfinden, an die und für die keineswegs Marktkriterien angelegt werden müssten. Natürlich kann das geschehen. Das sieht man ja gegenwärtig. Aber es muss nicht sein. Es ist kontingent. Und möglicherweise die schlechtere Möglichkeit.

(Warum wählt man politisch die schlechtere Möglichkeit? Weil Politik nichts anderes ist, als die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung (wie sie ist, bis es in ihr endgültig so chaotisch zugeht, dass eine neue Ordnung her muss). Insofern bestehen politische Positionen heute (erkennbar an den Positionen von Parteien bzw. deren Politikern) in nichts anderem als Meinungen darüber, wer in der Gesellschaft die “Leistungsträger”, und wer die bloßen Profiteure bzw. “Schmarotzer” sind und wo (in welcher Eigentumskategorie) sie sitzen. Als Positionen von Menschen (also psychischen Systemen) wird es solche Meinungen übrigens auch bis in alle Ewigkeit geben. In der Politik müssen sie langfristig so wenig sein wie etwa Vorstellungen von Gottesgnadentum oder Reichsphantasien oder dergleichen. Der Kniff politisch zuletzt entwickelter “grüner” Positionen besteht darin, das Problem auszulagern und sich darauf zu versteifen, den Blick auf die natürliche Umwelt der Gesellschaft zu verlagern. Nicht die gegenwärtige eigentumsbasierte ökonomische Ordnung mit seinem “Abfallprodukt” Wachstum wird ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt (denn dagegen ist schlecht zu argumentieren; und welcher “Öko” hat nicht mal davon geträumt (zusammen mit ein paar andern) auf dem eigenen (!) Bauernhof zu leben), sondern ihr “Abfallprodukt” Umweltverschmutzung. Dadurch ist eine Veränderung der eigentlichen Ursachen der Probleme noch einmal für einige Zeit aufzuschieben.)

Warum sollte Zahlungsunfähigkeit nach Einführung des Grundeinkommens weniger Teil des Systems sein?

Systeme sind dynamisch. (Genau das muss man mitzudenken versuchen, wenn es auch gerade unmöglich ist, die Dynamik in vollem Umfang zu erfassen. Um es anzudenken reicht jedenfalls nicht eine klassisch zweiwertige Logik aus, die fatalerweise noch immer oft mit Rationalität gleichgesetzt bzw. verwechselt wird. Obwohl sie von der Wissenschaft des zwanzigste Jahrhundert längst um mehrwertige Logiken ergänzt wurde. Eine zweiwertige Logik kennt keine Dynamik oder Veränderung in der Zeit. In einer zweiwertigen Logik lässt sich eine Paradoxie nicht entfalten, sondern es ist mit der Paradoxie immer schon Schluss. Mit anderen Worten: Es tut sich gar nichts. Jedenfalls: es wird nicht verstanden, was sich tut oder tun könnte, und es will auch gar nicht verstanden werden.) Interessanterweise ist in der Frage oben von einem “System” die Rede, das nicht weiter benannt wird. Nur weil in der Frage auch von Zahlung die Rede ist, ist vermutlich immer noch (nur) vom Wirtschaftssystem die Rede. Aber es liegt auch nahe zu glauben, dass das Gesellschaftssystem insgesamt gemeint sein soll… Das Gesellschafssystem besteht eben nicht nur aus dem Wirtschaftssystem, das Wachstum generiert. Zahlungsunfähigkeiten werden in der Tat (vorerst?) Teil des Wirtschaftssystems bleiben, weil sich das Wirtschaftssystem in seiner Funktion nicht ändern wird. Es generiert Wachstum. Aber einer Zahlungsunfähigkeit wird zukünftig sozusagen jede Tragik fehlen. Erfolglose Unternehmen sollten zahlungsunfähig werden dürfen (und dann aus dem Markt ausscheiden). Aber es ist schlicht Unsinn, eine ganze Gesellschaft systematisch sich in den Ruin treiben zu lassen, indem immer mehr Handlungen des Menschen dem Wirtschaftssystem unterworfen werden, weil die schulden- und eigentumsbasierte Wirtschaft den Menschen dazu zwingt, und immer mehr – Produkte und Tätigkeiten – marktorientierten Effizienzkriterien unterwirft, und für jeden einzelnen Menschen das Geldverdienen – Eigentum bewahren oder sich verschaffen – zum im wahrsten Sinne des Wortes “Maß aller Dinge” macht. Genau dem schiebt ein Grundeinkommen einen Riegel vor.

Und wie sieht es generell mit dem Schuldenmachen aus? Wäre das nach Einführung eines Grundeinkommens für irgendjemanden (Individuen, Unternehmen, Staaten) weniger attraktiv? Weniger notwendig?

Nochmals: Systeme sind dynamisch! Weder Staaten noch Unternehmen (siehe oben) werden längerfristig die gleichen bleiben, ja nicht einmal Individuen – also psychische Systeme – werden die gleichen bleiben, weil ihr Arrangement mit ihrer sozialen Umwelt eine ganz andere Form wird annehmen müssen. Für Individuen wäre Schuldenmachen zunächst weniger notwendig (siehe oben). Niemand wird mehr in die Produktion bzw. Ökonomie gezwungen, (nur) um zu verhindern, ökonomisch auf Null herabzusinken. Dann wird sich langfristig enorm verändern, was heute “der Staat” genannt wird. Staaten (wenn auch nicht die Gesellschaft (siehe oben)) bestehen aus Individuen. Wer macht denn Schulden, wenn der Staat Schulden macht? Wir alle, die wir in diesem Staat leben und arbeiten und wirtschaften. Es sind unsere Schulden. Aber dann sollte auch jeder einzelne mitentscheiden können, wie man sich verschuldet. Dies kann er nur als (nichtverschuldeter) Eigentümer (…und nicht, wie es bei Heinsohn/Steiger in “Eigentum, Zins und Geld” S.248 in Bezug auf den „Zentralbankdefekt“ heißt: „solange die Eigentumskonzentration die Verschuldungsfähigkeit von Bürgern zerstört und somit den Staat solange in die Position eines stellvertretenden Schuldners nötigt, wie er eine Neuverteilung von Eigentum umgeht.“). – Aber mit dieser Antwort redet man eben immer noch in heutigen Kategorien. Und die werden sich verändern.

(Attraktiv ist Schulden machen übrigens nie. (Genauso wenig wie es attraktiv ist, etwas zu tun, was einem nicht gut tut, um damit anderen etwas gutes zu tun.) Notwendig ist Schuldenmachen entweder zum produzieren oder zum konsumieren. Interessant also, zu suggerieren, Schuldenmachen könne attraktiv sein. Warum tut man das?)

Warum herrscht nach Einführung des Grundeinkommens weniger Knappheit?

Es herrscht weder weniger, noch mehr Knappheit nach Einführung des Grundeinkommens, es herrscht weniger das Empfinden von Knappheit (in Bezug aufs Eigentum). Das reicht. Das ist ja genau das, was man an den Börsen sehen kann: es reichen und entscheiden mehr und mehr die Gefühle. Und beim mehr oder weniger alltäglichen Einkaufen ist es auch nicht anders. Und bei Geschäftsideen ebenfalls nicht. In Bezug auf Güter und Ressourcen auf der Welt ändert das Grundeinkommen natürlich zunächst einmal gar nichts. (Siehe dazu meine abschließende Anmerkung!)

Wäre es nicht gerade besonders nachhaltig, wenn echte Knappheit auch im System als solche abgebildet wird, statt externalisiert zu werden?

Diese Frage sollte sich nun endgültig erübrigen. – Was ist “echte Knappheit”? Es gibt schon heute keine “echte Knappheit” mehr. Knappheit ist eben nur noch Knappheit des Eigentums. Genau diese Knappheit wird im Wirtschaftssystem abgebildet. Durch Geld. (Von dem man als Eigentümer nie genug haben kann, weil man immer sein ganzes Eigentum verlieren kann.) Denn Knappheit ist das, was die Ökonomie voraussetzt. Nachhaltig ist das nur für diese Wirtschaft, nicht für die Gesellschaft – und für deren natürliche Umwelt schon gar nicht, psychische Systeme (Menschen) eingeschlossen.

Abschließende Anmerkung:

Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird die Welt nicht abrupt verändern. Aber ein Grundeinkommen stellt einen Paradigmenwechsel dar, von dem aus (dynamisch) eine neue, wieder freiere Weiterentwicklung einsetzen kann. Meine Vermutung ist, dass er wesentlich dazu beiträgt, die Menschen (sehr) langfristig aus der Eigentumsverfassung der Wirtschaft herauszuführen. Und damit auch aus der heute schon überkommenen Vorstellung von Knappheit. Indem man Menschen mit dem Grundeinkommen mehr oder weniger Eigentum verschafft, wird dessen Bedeutung abnehmen. Ganz richtig: Das ist (vielleicht) paradox! Weil Eigentum weniger knapp sein wird, wird es an Bedeutung verlieren. Es ist unmöglich zu sagen, welche Probleme das der zukünftigen Gesellschaft machen wird. Aber zunächst einmal sollte man nicht glauben, dass ein Grundeinkommen sozusagen eine nie da gewesene Wohltat an den Menschen darstellt, mit der man – paradoxerweise – für die Gesellschaft und Gemeinschaft Kopf und Kragen riskiert. Jedem Menschen bedingungslos ein Einkommen zu verschaffen, ist vielmehr in genauer Analogie zum letzten gesellschaftlichen Paradigmenwechsel von der Feudalgesellschaft zur heutigen Gesellschaft zu sehen. Was geschah da? Das “Kapital” sozusagen war das fruchtbare Land. Es war in den Händen des Feudalherren. „Bewirtschaftet“ wurde es von den “unfreien” (eigentumslosen) Bauern. Die Verwaltung und Verteilung des Ertrags oblag dem Feudalherren. Er konnte ein guter und ein schlechter Herr sein. Und es konnte gut oder schlecht laufen. Im jeweils zweiten Fall wird sich der Unmut der Bauern als Ärger über den Herrn geäußert haben und vielleicht als Wunsch, einen zu haben, der es besser macht – ohne sich aber im wesentlichen eine Veränderung der Verhältnisse (der hierarchischen sozialen Differenzierung) vorstellen zu können oder vorstellen zu wollen. Aber die Verhältnisse veränderten sich schließlich doch. Und die revolutionäre Zuteilung von Land als Eigentum für die das Land bewirtschaftenden Bauern war die entscheidende Veränderung. Jeder Bauer bekam „einfach so“ sein Fleckchen Erde als Eigentum. Das konnte er bewirtschaften, damit konnte er wirtschaften. Er war sein eigener Unternehmer geworden. Das kann man als die eigentliche Geburtsstunde des Eigentums ansehen. Heinsohn/Steiger weisen in diesem Zusammenhang immer wieder treffend darauf hin, dass es also ein purer Rechtsakt war (Die Schaffung eines Anrechts auf Eigentum), der da die Weltgeschichte in eine neue Richtung aufbrechen ließ, bzw. ihr einen neuen Anstoß gab; es war ein politischer bzw. juristischer Akt, ohne dass sich damit zu diesem Zeitpunkt in Bezug auf Ressourcen oder Güter auch nur irgend etwas auf der Welt geändert hätte! – Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre das gleiche…

One Response to Redliche Antworten auf brave Fragen (Zu einem Kommentar von Joaoflux)

  1. “Um überhaupt an dieser Wirtschaft teilhaben zu können, muss man Eigentümer sein. Eigentum erlaubt es, es (als Gläubiger) belasten und (als Schuldner) verpfänden zu können. (Eigenes) Eigentum ist also nicht nur notwendig, um vorübergehend auf das eigene Anrecht darauf zu verzichten und “spekulieren” (Geld anlegen bzw. gewinnbringend verleihen und Zinsen erhalten) zu können, also zu entscheiden, wer damit was unternehmen darf, sondern Eigentum ist genauso auch notwendig, um Schulden machen zu können, weil man als Schuldner mit seinem Eigentum haftet, also dem Gläubiger Sicherheit bietet.”

    Ist das die richtige Landkarte für die Orientierung?
    Das Grundeinkommen hat primär sozialpolitische Ziele. Wir nehmen bereits alle an der Wirtschaft teil, indem wir ein Einkommen erhalten und am Tausch gegen Bezahlung teilnehmen. Geldschöpfung, Verschuldung, Sparen, Zinsen sind ein wichtiger Themenkomplex, wenn man über Wirtschaft und Wachstum im System nachdenkt. Vielleicht kommen wir später noch einmal gesondert zu diesem Thema. Und obwohl dies ein interessanter Literaturhinweis ist (ich habe das Werk nicht gelesen), glaube ich, dass Verschuldung und Eigentum als Analysekategorien in Hinblick auf das Grundeinkommen nicht die interessantesten Ergebnisse hervorbringt. Warum dieses Urteil?
    Wie mehrfach gesagt, die Funktionsweise des Wirtschaftssystems wird durch dieses nicht verändert. Bei einem Grundeinkommen auf dem Niveau der jetzigen Sozialleistungen ändert sich der Anreiz zur privaten Verschuldung nicht. Für Unternehmen ändert sich der Anreiz zur Verschuldung grundsätzlich auch nicht, allerdings kann es sein, dass die Gewinnaussichten sich in bestimmten Branchen ändern – z.B. steuerbedingt oder durch Verschiebungen im Lohnniveau für bestimmte Tätigkeiten. Die Logik, dass Unternehmen kreditfinanzierte Investitionen tätigen, um später Gewinne zu erzielen, bleibt uns erhalten.
    Auch die gesellschaftliche Eigentumsverteilung bleibt unberührt, denn ein Grundeinkommen wird nicht zu nennenswerter Eigentumsbildung ausreichen und auch nicht durch Enteignung gegenfinanziert.

Hinterlasse eine Antwort