Keiner hier hat je bestritten, dass sich “das Grundeinkommen nur unter den Bedingungen des vorhandenen Geldsystems einführen” lässt. Im Gegenteil. Dieses System wird funktionell auch noch das gleiche bleiben, wenn es zur Einführung des Grundeinkommens schließlich gekommen ist. Das ist ja gerade der Witz! Was mit dem Grundeinkommen verändert wird, ist lediglich die UMWELT (die Rahmenbedingungen) dieses Systems! Und auf die veränderten Umweltbedingungen muss dieses System dann eben reagieren. Und daraus ergeben sich die Antworten auf die gestellten Fragen nach den ÖKONOMISCHEN Folgen eines Grundeinkommens: Dann muss z. B. bislang “unterbezahlte” Arbeit schließlich doch angemessen bezahlt werden, damit sie getan wird.Warum sollte das die Gesetze des Wirtschaftssystems aus den Angeln heben? Selbst Mindestlöhne sind ein viel stärkerer Eingriff, weil sie eine viel klarere und bestimmtere Reglementierung darstellen und mehr oder weniger direkt aufs Wirtschaftssystem zugreifen. Dass demgegenüber Unternehmer sich ihre Arbeitskräfte grundsätzlich suchen müssen (im Prinzip nicht weniger wie Menschen “Arbeit suchen”), ist nichts neues seit es keine Sklaverei mehr gibt. Dass auch bei der Abschaffung der Sklaverei vor allem die Privilegierten ernsthaft (und durchaus altruistisch besorgt) geglaubt haben dürften, dass in Zukunft grundlegende Arbeit nicht mehr getan wird – dazu braucht man nicht viel Phantasie… Die Innovationskraft nimmt vielleicht zu, weil mit neuen Maschinen erledigte Arbeit nun mal billiger ist, als mit “alten” Händen erledigte Arbeit. Vielleicht nimmt sie aber auch ab, könnte man meinen, weil vielleicht der Druck der verschuldeten Unternehmer zur Tilgung ihrer Schulden abnimmt, also letztlich der Konkurrenzdruck der Unternehmen am Markt; aber Unternehmer begleichen ihre Schulden ja nicht mit ihrem Grundeinkommen. Es könnte sein, dass es weniger Großunternehmer geben wird, oder weniger, die das sein wollen oder ökonomisch in diese Lage gezwungen werden. Aber die Frage ist vielmehr, ob man sich um die Innovationskraft, womit ja wohl letztlich das wirtschaftliche Wachstum gemeint ist, überhaupt die Gedanken machen müsste, die man sich heute macht, weil man heute eben wirtschaftlich in der Lage steckt, sie sich machen zu müssen, um nicht in Schulden unterzugehen ( – ob als Unternehmer, Staat oder dessen Bürger).
Ein “besseres” Leben setzt den Menschen (KULTURELL UND SOZIALPSYCHISCH) weniger Zwang und Gewalt aus. Welcher Mensch welche Umstände als drückend empfindet, ist letztlich vielleicht relativ. (Und wer mag entscheiden, ob die Stammesgesellschaft, die Feudalgesellschaft, unsere heutige Gesellschaft oder die, die kommen wird, ein besseres oder schlechteres Leben ermöglicht?) Weniger relativ ist hoffentlich das Empfinden für die Gewalt der Relationen zwischen Arm und Reich. Ein Grundeinkommen würde zumindest die Entscheidung über das Ausmaß einer ökonomischen Ungleichheit unter den einzelnen Menschen in die Hände der Menschen legen: Sowohl die Frage der Einführung, als auch die der Höhe eines Grundeinkommens stellt eine politische Entscheidung dar. Und wir leben – zumindest theoretisch – in einer Demokratie… Es liegt im Wesen des Grundeinkommens, dass jeder sein “Empfänger” ist. Warum sollte man demnach mehr als heute “Verachtung” der Menschen untereinander befürchten? Immer und in jeder Gesellschaftsordnung steht der Mensch unter der kontrollierenden Beobachtung anderer Menschen. Man kann auch heute schon sehr wohl Menschen dafür verachten, womit sie ihr Geld verdienen, bzw. das Geld anderen aus der Tasche ziehen. Ein Grundeinkommen wird lediglich die Tendenz verstärken, dieses „Geldverdienen“ nicht mehr als das Maß schlechthin für gesellschaftliche Anerkennung und Macht zu sehen. Auch heute schon dürfte Menschen klar sein, dass man sinnvolle Dinge tun kann, ohne damit Geld oder viel Geld zu verdienen. Ein Grundeinkommen wird klar werden lassen, wie viele Dinge das noch alles sein können. Nichts, was das Leben lebenswert macht, ist wirklich effizient. Kunst, Sport, die Pflege gebrechlicher Menschen oder einfach nur die Sorge umeinander – nichts davon ist effizient. Und es gibt keinen Grund dies alles den wirtschaftlichen Effizienzkriterien zu unterstellen und Marktgesetzen zu unterwerfen, anstatt Menschen einfach genug Geld zum Leben zu geben, damit sie es tun können, wenn sie wollen… “Die Beziehung zwischen Staat und Subjekt” wird sich ganz einfach deshalb verbessern, weil „der Staat“ etwas ganz anderes werden wird in einer Welt, in der er nicht mehr als abstrakte, verwaltende Obrigkeit agiert, sondern Menschen freier als heute beginnen können, sich selbst ihre Netzwerke zu errichten, mit denen sie sich verwalten und damit ihren Staat bauen… Dass die Entscheidung für ein Grundeinkommen heute von einzelnen Nationalstaaten wird ausgehen müssen, wirft natürlich die Frage nach dem Verhältnis der Staaten zueinander, von deren Bürgern und Aus- und Zuwanderern auf. Aber warum sollte dies Verhältnis problematischer als heute sein? Man kann mit einem Grundeinkommen nur irgendwo anfangen, genau so, wie man nur irgendwo damit beginnen kann, Atomkraftwerke abzuschalten…
Was halst der Menschheit die ÖKOLOGISCHEN Probleme auf? Ganz einfach: Produktion und Konsum – und damit verbunden: Mobilität. Also gibt es zunächst zwei Möglichkeiten, das Problem anzugehen. Erstens: Weniger von all dem. Oder zweitens: All das mit weniger Abfall (bzw. Energieverbrauch). Oder dann: beides… Müssen Produktion und Konsum und Mobilität das Ausmaß annehmen, dass sie heute angenommen haben? Nein. Warum haben sie dann aber dieses Ausmaß angenommen? Weil die Voraussetzung der Knappheit nicht nur die Grundlage des wirtschaftlichen, sondern des gesamtgesellschaftlichen Denkens geworden ist. Warum? Weil wir alle Eigentümer sind. Und Eigentum ist immer knapp, weil wir es vor anderen Eigentümern zu verteidigen haben, um nicht ruiniert zu werden. Insofern kommt der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung nichts mehr zupass, als die Entdeckung der ökologischen Probleme: Denn damit kann bis hinein zu politisch „grünen“ Positionen suggeriert werden, dass die absolute Grundlage unseres Wohlergehens und Überlebens das Verhältnis der Menschen zu der sie umgebenden “Natur” ist UND NICHT ein gerechteres (oder sollte man sagen: entspannteres) Verhältnis der Menschen untereinander – das auch jede andere Gerechtigkeit (gegenüber Tier und Natur) nach sich ziehen würde, weil der unbedingte (und rücksichtslose) Zwang zu Produktion und Wachstum verschwände. Er verschwände deshalb, weil nicht mehr Knappheit die Grundlage unseres Denkens wäre. Eine Solarzelle und ein Elektroauto aber müssen – und dafür dankt man Gott – produziert werden. Und Produktion gilt als gut und Mobilität als notwendig für Produktion und Konsum. Und Produktion ist gut, weil Wachstum gut ist. Und Wachstum ist gut, weil es notwendig ist, damit Schulden bezahlt werden können. Und Schulden müssen bezahlt werden, weil permanent Schulden gemacht werden und gemacht werden müssen, um das eigene Eigentum zu sichern durch ein sich Durchsetzen auf den Märkten gegenüber anderen Eigentümern. Zahlungsunfähigkeit ist kein Zufall und nicht mal ein Unfall. Die logische Grundlage des gesamten Systems ist der Ruin und die Pleite. Und nicht ein Niveau, auf das man sich einfach nur politisch einigen müsste…
Und da man meine Antworten vielleicht, wie gewohnt, wieder als moralisch und esoterisch und irrational und was weiß ich noch alles bezeichnen wird (das heißt, man wird Bezeichnungen dafür finden, die, meint man, keine Argumente zu sein brauchen, weil ja auch ich, meint man, nicht realistisch argumentiere), will ich einfach schon mal gesagt haben (auch wenn das kein Argument ist): Es sind einfach nur Antworten und nicht nur brave Fragen in eine Weltordnung hinein, von der man wie in der Schule nur Antworten bekommen kann, die der Erziehung zu einem Leben in dieser überkommenen Ordnung dienen…
Was hat eine bedingungsloses Grundeinkommen mit dem Wachstumsdiktat unseres Wirtschaftssystemszu tun? Warum sollte Zahlungsunfähigkeit nach Einführung des Grundeinkommens weniger Teil des Systems sein? Und wie sieht es generell mit dem Schuldenmachen aus? Wäre das nach Einführung eines Grundeinkommens für irgendjemanden (Individuen, Unternehmen, Staaten) weniger attraktiv? Weniger notwendig? Warum herrscht nach Einführung des Grundeinkommens weniger Knappheit? Wäre es nicht gerade besonders nachhaltig, wenn echte Knappheit auch im System als solche abgebildet wird, statt externalisiert zu werden? Lauter brave Fragen. Und nicht einmal alle, die sich hier aufdrängen.