Ist Geld demokratisch? – Über das Wählen und demokratische Mitlaufen

Der Mensch ist gerne ein Gewinner, aber noch lieber ist er in einer Gruppe von Gewinnern. Das hört sich zunächst nicht unsympathisch an. Aber es hat nicht nur harmlose Folgen (wie etwa die Begeisterung für (Profi)Fußballvereine…, Folgen, die allerdings auch nur auf den ersten Blick ganz harmlos sind). Es zieht außerdem sehr verstörenden Phänomene nach sich, die uns kaum bewusst werden: Gemeinschaftlich siegen zu wollen ist etwa eine wesentliche Ursache für die Unmöglichkeit, durch demokratische “Wahlen” eine tatsächlich demokratische Entscheidung herbeizuführen. In der Handlungstheorie ist dies als “Mitläufereffekt” beschrieben worden: Unter dem Lichte dieses Effektes sind Wahlen und Abstimmungen keineswegs schlicht zu verstehen als ein Ringen um eine Form des Zusammenlebens, die jedem Einzelnen so gut wie möglich gerecht wird, sondern Wahlen sind dann eine Art Wettspiel, das darin besteht, mit einem Kreuz auf den Gewinner der Wahl zu tippen – und damit selbst bei den Gewinnern zu sein. weiterlesen

Geld und Kunst

Vor einigen Jahren, die “Euro-Zeit” war noch nicht angebrochen, schuf mein Freund Joaoflux für eine kleine Kunstaustellung in seiner Heimatstadt ein seltsames Kunstwerk. Es bestand aus einer Serie von 16 Einzelwerken, die untereinander quasi identisch waren. Ich erlaube mir an dieser Stelle, nichts weiter über die Gestalt der Werke, die ich “Bilder” nennen will, zu sagen, und sofort zu ihrer “Preisgestaltung” überzugehen. Denn offenbar angeödet von der Frage, welchen Preis er für seine Bilder veranschlagen sollte, traf ihr Urheber kurzerhand die Entscheidung, die Preise ins Werk zu integrieren, beziehungsweise sie Teil des Werkes sein zu lassen. weiterlesen

Principia Oeconomica – Über logische und finanzielle Krisen

“Eine Gesellschaft [...] darf ihre höchsten Werte nicht
zu hoch versichern, wie es die französische Aristokratie
getan hatte, als sie sich um die Person des Königs
sammelte. Damit begab sie sich der Möglichkeit, ihre
eigenen Überzeugungen und Werte im eigenen Tun
lebendig zu erhalten und zu erneuern. Es war aber auch
ein Beispiel dafür, wie klein der Schritt vom Erhabenen
zum Lächerlichen ist.”

(Henning Ritter im Nachwort zu “Meine
Gedanken” von Montesquieu)

Bei der Durchsicht der unteren Beiträge fiel mir ein Abschnitt in einem frühen Beitrag von Joaoflux auf ["Raus aus dem Urwald (zurück ins Basislager)" vom 30. März 2011]: “Unter Arbeit versteht man gemeinhin eine Tätigkeiten, die von Nutzen ist und für die eine Bezahlung erfolgt. Der Nutzen kann dabei sehr unmittelbar sein (z.B. in der Landwirtschaft oder in der Krankenpflege) oder eher indirekt (z.B. im Administrativen Bereich oder in der Finanzwirtschaft). Im zweiten Fall liegt der Nutzen oft ausschließlich in der Akkumulation von Geld, d.h. der Nutzen ist eine reine Transaktion, die nur einen Sinn innerhalb des Systems der Geldwirtschaft hat.” Da hätte man frühzeitig einhaken müssen. Die Worte laufen auf eine (klare) Unterscheidung von sogenannter “Realwirtschaft” einerseits und „Geldwirtschaft“ andererseits hinaus. Diese Unterscheidung wurde erst später im Blog ausdrücklich zum Thema, aber wahrscheinlich bis heute nicht ausdrücklich genug. Das Sehen bzw. Voraussetzen einer (relativ) klaren Grenze zwischen beiden ist in meinen Augen eine Täuschung, und das könnte der theoretische Grund für die augenscheinliche Unvereinbarkeit zwischen meinen Beiträgen und denen von Joaoflux sein

Es ist hundert Jahre her, dass Betrand Russell und Alfred North Whitehead ein logisch-mathematisches Werk verfassten, das sie “Principia Mathematica” nannten. weiterlesen

Öffentliche Faulheit und privater Aktivismus

Ja, man kann ausgesprochen viel über die Mentalität eines Menschen erfahren, wenn man seine gefühlsmäßige Reaktion auf die Idee des “bedingungslosen Grundeinkommens” beobachtet. Und es ist sicher auch richtig, dass es die widerstrebenden Gefühle eines offenbar gesunden Menschenverstandes sind, die der Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens vor allem im Wege stehen. weiterlesen

Zum Wesen der Grundeinkommensdebatte

Auf Zeit-online ist gerade ein lesenswerter Beitrag zum Grundeinkommen erschienen mit einer konstruktiven, umfangreichen Forumsdebatte: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2011/08/16/ein-bedingungsloses-grundeinkommen-fur-alle_3433

Wichtig an den Forumsbeiträgen sind mir vor allem die mentalen Muster, die in der Auseinandersetzung mit dem Thema durchscheinen. Ich glaube, diese Muster sind viel bedeutsamer als die institutionelle Umsetzung selbst, wenn es um die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens geht. Der Dreh- und Angelpunkt ist erstens das weiterlesen

Redliche Antworten auf brave Fragen (Zu einem Kommentar von Joaoflux)

Was hat ein bedingungsloses Grundeinkommen mit dem Wachstumsdiktat unseres Wirtschaftssystems zu tun?

Das Diktat und der Zwang zum Wachstum ist die Folge der Eigentumsverfassung unserer Wirtschaft. [Ausgearbeitet haben dies Gunnar Heinsohn und Otto Steiger in ihrer Eigentumstheorie von Zins und Geld, von der ich im folgenden ausgehe, aber auch abweiche.] Um überhaupt an dieser Wirtschaft teilhaben zu können, muss man Eigentümer sein. weiterlesen

Eine Erde und eine Atmosphäre

Keiner hier hat je bestritten, dass sich “das Grundeinkommen nur unter den Bedingungen des vorhandenen Geldsystems einführen” lässt. Im Gegenteil. Dieses System wird funktionell auch noch das gleiche bleiben, wenn es zur Einführung des Grundeinkommens schließlich gekommen ist. Das ist ja gerade der Witz! Was mit dem Grundeinkommen verändert wird, ist lediglich die UMWELT (die Rahmenbedingungen) dieses Systems! Und auf die veränderten Umweltbedingungen muss dieses System dann eben reagieren. Und daraus ergeben sich die Antworten auf die gestellten Fragen nach den ÖKONOMISCHEN Folgen eines Grundeinkommens: Dann muss z. B. bislang “unterbezahlte” Arbeit schließlich doch angemessen bezahlt werden, damit sie getan wird. weiterlesen

Drei Verhakungen und drei Sphären

Ist hier drin, was draufsteht? Zunächst möchte ich feststellen, dass der Titel dieses Blogs, Überlegungen zur postrealen Ökonomie, Unsinn ist: Weder verweist dieser Begriff auf eine Debatte, noch lässt er sich semantisch erschließen, denn was auch immer eines Tages sein wird, es wird unentrinnbar Realität sein. Oder besteht der Sinn darin, den Realitätsbezug erklärtermaßen hinter sich zu lassen? weiterlesen

Alte Welt ade!

Im Gegenteil! Ich habe bereits eigens betont, dass ich die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht für die (Wieder-) Einführung des Paradieses halte. Aber ich finde, es ist wieder mal an der Zeit, dass die Menschheit einen Sprung macht, um dann frucht- und nutzbaren Problemen gegenüberzustehen, statt sich das Leben selber schwer zu machen. Eine Welt mit Grundeinkommen wird Probleme machen, die wir uns heute nicht träumen lassen (so ist es immer vor bzw. nach Paradigmenwechseln), aber so gut wie kein einziges von den Problemen, die Kritiker heute so selbstbewusst befürchten. – Was soll’s… Die Menschen haben sich seit Generationen daran gewöhnt, das Vorhandensein von Eigentum zu akzeptieren, und gleichzeitig Abgaben zu machen und Steuern zu zahlen. Und nun werden sie sich auch daran gewöhnen, Geld zu bekommen, ohne so genau zu wissen, wofür. weiterlesen

Schöne neue Welt durch elegante Umverteilung?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist zunächst eine Umverteilung. Das ist nicht schlimm und spricht nicht gegen das Grundeinkommen. Ganz im Gegenteil: Ohne Umverteilung funktioniert es auch heute nicht und das sollte man anerkennen. In einer Welt in der es faktisch unmöglich ist, autonom, also ohne Teilnahme am Wirtschaftsleben, zu leben, weil die Ökonomie sich die Welt weitgehend angeeignet hat, kann man auch schlecht moralische Argumente finden, die prinzipiell gegen Umverteilung sprechen (Du argumentierst übrigens moralisch für ein Grundeinkommen, obwohl ich weder moralisch noch sonst dagegen argumentiere). Die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens stellt vielmehr die überfällige Anerkennung der Tatsache dar, dass die Verteilung von Gütern und Ressourcen weder natürlich noch gottgegeben ist und eine Umverteilung völlig legitim ist. Ab hier sollte man ganz pragmatisch Vor- und Nachteile erörtern und sich moralische Betrachtungen schenken. Trotzdem muss man das Kind in seiner ökonomischen Bedeutung beim Namen nennen: Umverteilung. weiterlesen